Pfarrbrief Frühling/Ostern 2018

Pfarr­brief “Früh­ling / Ostern 2018” ist online verfügbar

Titelblatt Pfarrbrief Frühling 2018 für die Kath. Kirche IngelheimAus­ga­be Nr. 7 des Pfarr­briefs “Früh­ling / Ostern 2018” für die Katho­li­sche Kir­che Ingel­heim (KKI) steht für Sie bereit.
Kli­cken sie bit­te » hier «.

The­men aus unse­rem Pfarrbrief:

Sei­te / Inhalt:

  • 4.Zum Geleit – von Kaplan Sebas­ti­an Lang
  • 7. Fas­ten­hir­ten­brief von Bischof Peter Kohlgraf
  • 9. Fusi­ons­pro­zess der Pfarr­grup­pe KKI
  • 10. Immo­bi­li­en­pro­zess
  • 11. Dank an die Sternsinger
  • 11. Zukunft der Sternsingeraktion
  • 12. Pfarr­stif­tung St. Remi­gius Nie­der-Ingel­heim gegründet
  • 13. Öku­me­ni­scher Krebbelkaffee
  • 14. „Orte des Zuhö­rens“ – Aus­bil­dung abgeschlossen
  • 15. Aus dem För­der­ver­ein St. Remigius
  • 15. Bene­fiz­kon­zert von Eff­a­ta in St. Micha­el, Frei-Weinheim
  • 16. Ehren­amts­bör­se
  • 17. Die Krea­tiv­werk­statt wird 10 Jahre
  • 18. 15 Jah­re Frau­en­früh­stück: Abschied von einer lieb­ge­wor­de­nen Tradition
  • 18. Firm­kurs 2018
  • 19. Die öku­me­ni­sche Bewe­gung und wohin sie füh­ren könnte…
  • 21. Fei­ern wir das Gemein­sa­me – Öku­me­ne aus Sicht von „Wir sind Kirche“
  • 22. Beson­de­re Gottesdienste
  • 24. Die Mess­die­ner der KKI – gemein­sa­mes Wochen­en­de auf der Emmerichshütte
  • 25. Brot­korb – Start der Fas­ten- und Spen­den­ak­ti­on: „Men­schen Mut machen!“
  • 26. Fami­li­en­pa­ten gesucht!
  • 26. Cari­tas-Som­mer­samm­lung: „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“
  • 27. Gemein­schafts­kon­zert: Blä­ser­chö­re Ingel­heim & Musik­ver­ein Sponheim
  • 27. Up to Date – Im Gespräch – Glau­be – Bibel – Gottesdienst
  • 29. „Kir­che sein – wie geht das heu­te?“ – Pro­gramm der Kath. Erwachsenenbildung
  • 31. Frei-Wein­heim in alten Tagen – Geschich­ten von und mit Alfons Ball
  • 31. Hans Küng – streit­ba­rer Theo­lo­ge wird 90
  • 32. Der Ruf für jun­ge Män­ner – I nitia­ti­on für jun­ge Männer
  • 33. 11. Cof­fee-Stop am 16. März 2018 im Gemein­de­zen­trum St. Paulus
  • 33. Katho­li­sche Büche­rei St. Michael
  • 34. 101. Katho­li­ken­tag 2018 in Münster
  • 34. 2018: Pil­ger­rei­se der Pfarr­grup­pe nach Malta
  • 34. 2020: Pil­ger­rei­se zu den Passionsfestspielen
  • 35. Ingel­hei­mer Zeltlager
  • 36. 50plus
  • 37. Erst­kom­mu­ni­on 2018
  • 38. Grup­pen – Termine
  • 41. Tauf­ter­mi­ne 2018
  • 41. Schiffs­wall­fahrt am 01. Mai 2018
  • 42. übri­gens – Hospizverein
  • 43. Neu­es vom Kin­der­haus St. Michael
  • 44. Redak­teu­rin­nen und Redak­teu­re gesucht!

Lie­be Lese­rin­nen und Leser des Pfarrbriefs,
lie­be Schwes­tern und Brüder,

kaum hat man als einer, der öffent­lich für die katho­li­sche Kir­che steht, die letz­te nega­ti­ve Bericht­erstat­tung über den eige­nen Arbeit­ge­ber ver­daut, kommt schon der nächs­te Ham­mer. Zumin­dest fühlt es sich manch­mal so an.
Momen­tan hören wir von schwie­ri­gem Finanz­ge­ba­ren, das teil­wei­se kri­mi­nell zu nen­nen ist, wie in Eich­stätt, oder schlicht etwas unpro­fes­sio­nell erscheint, wie in den deut­schen Diö­ze­sen, die plötz­lich fest­stel­len, dass sie ein struk­tu­rel­les Defi­zit haben. Unser eige­nes Bis­tum gehört ja auch zu letz­te­ren. Es habe über Jahr­zehn­te eine sau­be­re Tren­nung zwi­schen Steue­rung und Auf­sicht gefehlt, lese ich als Feh­ler­ana­ly­se. Das leuch­tet mir wohl ein. Wenn die Akteu­re sich selbst kon­trol­lie­ren, dann kann es leicht zu Miss­bräu­chen kommen.
Aber es geht eben nicht nur um kri­mi­nel­le Machen­schaf­ten, es geht auch ein­fach um schlech­te Gewohn­hei­ten, um die Gefahr die Kon­trol­le zu ver­lie­ren, den Über­blick. Ein zwei­tes Augen­paar kann da hel­fen. Auf­sicht ist für den Akteur sicher ner­vig, weil ich nicht nur den Arbeits­auf­wand habe, den mir die Sache vor­gibt, son­dern auch noch zusätz­lich Bericht erstat­ten und Rechen­schaft able­gen muss. Viel­leicht kränkt es mich – trotz aller klu­gen Ein­sicht – auch, dass mei­ne Amts­füh­rung sys­te­ma­tisch und metho­disch in Zwei­fel gezo­gen wird, auch wenn es dabei ja gar nicht um das Ver­trau­en in meine
Per­son geht. Ner­vig und unan­ge­nehm – Auf­sicht und Revi­si­on sol­len mir hel­fen, mei­ne Auf­ga­be bes­ser aus­zu­füh­ren. Das kommt im Letz­ten auch mir selbst wie­der zugute.
Als Kaplan genie­ße ich ja – anders als ein lei­ten­der Pfar­rer – das gro­ße Pri­vi­leg, mich nicht aus­führ­lich mit Gemein­de­fi­nan­zen beschäf­ti­gen zu müs­sen. Aber auch in Tätig­kei­ten, die nicht direkt mit dem Finan­zi­el­len befasst sind, sind natür­lich Kon­trol­le und Auf­sicht nicht nur etwas Schlech­tes. Sich Rück­mel­dung ein­ho­len, Refle­xi­on mit den Betei­lig­ten und Bera­tung mit den Kol­le­gen, wir auch da hel­fen. Rechen­schaft abzu­le­gen, dient mir dazu, dass ich mich in mei­ner Tätig­keit wei­ter­ent­wi­ckeln kann.
Das Glei­che gilt für mich als Mensch dann wohl auch. Um mich als Mensch wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, soll­te ich hin und wie­der Rechen­schaft able­gen. Und es gilt wohl auch: Um mich als Christ, als Chris­tin wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, muss ich wohl hin und wie­der Rechen­schaft able­gen. Klar, das soll­te bei einer so inti­men Fra­ge zunächst ein­mal vor mir selbst gesche­hen. Aber besteht nicht ähn­lich wie im Finan­zi­el­len die Gefahr, dass ich auf die schlech­ten Gewohn­hei­ten nur einen teil­wei­sen Blick habe und ich auch in mei­nem eige­nen Leben den Über­blick ver­lie­re. Ich selbst habe ja auch nur eine Per­spek­ti­ve auf mein Leben – eben mei­nen Blick.
Trotz­dem ist zunächst die bewuss­te Rechen­schaft vor mir selbst und mei­nem Gewis­sen unverzichtbar.
In den neu­en geist­li­chen Bewe­gun­gen des 20. Jahr­hun­derts hat sich der Begriff revi­si­on de vie – also Lebens­re­vi­si­on – her­aus­ge­bil­det. Sich bewusst Zeit neh­men, will das hei­ßen, um vor sich selbst, aber eben auch im Gespräch mit ande­ren Rechen­schaft abzu­le­gen über das eige­ne Leben. Die jähr­lich wie­der­keh­ren­de Öster­li­che Buß­zeit lädt genau dazu ein.
Wie das kon­kret umzu­set­zen ist? Viel­leicht kann man es sich zur Gewohn­heit machen, sich abends fünf bis zehn Minu­ten des Gebe­tes zu neh­men, um gemein­sam mit dem lie­ben­den Blick Got­tes auf den Tag zu schau­en: Wofür kann ich heu­te dan­ken? Wor­un­ter muss­te ich heu­te lei­den? Wofür muss ich mich heu­te ent­schul­di­gen, weil ande­re unter mir gelit­ten haben? Eine
gute Metho­de nicht nur in der Fas­ten­zeit. Viel­leicht suche ich auch in die­sem Sin­ne das Gespräch mit einer Seel­sor­ge­rin, einem Seel­sor­ger, das mir hel­fen kann, mei­ne Gedan­ken, Ein­drü­cke und Gefüh­le zu ordnen.
Wer so unter­neh­mungs­lus­tig ist, als Christ wei­ter­zu­kom­men, der wird viel­leicht dar­aus eine dau­er­haf­te geist­li­che Beglei­tung machen.
Das klas­si­sche Mit­tel zu die­ser Lebens­re­vi­si­on ist aber die Beich­te. Es geht dabei ja nicht dar­um, dem Herrn Pfar­rer regel­mä­ßig Bericht zu erstat­ten, damit der die Feh­ler sei­ner Her­de genau kennt. Es geht viel­mehr um eine äuße­re Hil­fe, damit ich vor Gott und mir selbst gut und ernst­haft Rechen­schaft able­gen kann über mein Leben und mein Christ­sein. Beich­te muss also nicht nur das nega­ti­ve Ent­hal­ten. Wer regel­mä­ßig beich­tet, könn­te sei­ne Beich­te auch mit einem Bericht dar­über begin­nen, was seit dem letz­ten Mal gut gelau­fen ist, was ihm gelun­gen ist.
Ich höre oft von einer als ungut oder sogar belas­tend emp­fun­de­nen Beicht­pra­xis frü­he­rer Tage. Das ist sicher­lich rich­tig. Und es ist ver­ständ­lich, dass man eine Abnei­gung gegen die Beich­te ent­wi­ckelt hat. Ande­rer­seits höre ich auch von einer sehr ungu­ten Erzie­hungs­pra­xis in den Schu­len frü­he­rer Tage. Auf die Idee, die Kin­der nicht mehr zur Schu­le zu schi­cken, kommt wohl fast nie­mand. Eine an sich gut Ein­rich­tung muss sich dann eben ver­än­dern. Beich­te muss heu­te – das gilt ganz sicher für min­des­tens 95% der Beicht­vä­ter, wenn nicht mehr – nicht mehr so ablau­fen wie vor 60 Jahren.
Ob in Beicht­stuhl oder Gesprächs­zim­mer, es geht, wenn der Beich­ten­de das will, immer um die genann­te Form der Rechen­schaft. Und am Ende steht – das ist das Gro­ße – eben kein Ende, son­dern durch den amt­li­chen Zuspruch der Ver­ge­bung im Namen Got­tes ein Neuanfang.
Ihnen allen wün­sche ich eine geseg­ne­te Fas­ten- und Oster­zeit und vie­le Gele­gen­heit, mit Gott einen Neu­an­fang zu schaffen.

Sebas­ti­an Lang, Kaplan