Geschichte zu St. Michael Ober-Ingelheim

Kirchengeschichte der katholischen Gemeinde St. Michael in Ober – Ingelheim

von Wil­helm A. Schön­herr und Peter Schi­cke

Die Zeit der Reformation

Die Refor­ma­ti­on wur­de in Ingel­heim erst 1556 ein­ge­lei­tet und zwar mit der Über­nah­me der Regie­rung in Kur­pfalz durch Kur­fürst Otthein­rich (1556–1559), einem enga­gier­ten Anhän­ger der luthe­ri­schen Kir­chen­ord­nung, die er in sei­nen Stamm­fürs­ten­tü­mern Neu­burg a.D. und Sulz­bach schon 1542 voll­zo­gen hat­te.In Ingel­heim ging die Refor­ma­ti­on nur zögernd vor­an. So stell­te eine Kir­chen­vi­si­ta­ti­on in der Kur­pfalz Ende 1556 fest “Zu Ober­ingel­heim .… war noch alles papis­tischt”. Das lag z.T. an den staats­recht­li­chen Ver­hält­nis­sen zur Zeit der Refor­ma­ti­on. Mit der Ver­pfän­dung des Ingel­hei­mer Grun­des durch Kai­ser Karl IV.(1346–1378) 1375 an Ruprecht III von Kur­pfalz (1400–1410) waren die Kur­fürs­ten zwar Besit­zer des Ter­ri­to­ri­ums gewor­den, aber die Ingel­hei­mer wahr­ten ihre per­sön­li­che Frei­heit, fühl­ten sich nur dem Reich ver­pflich­tet und sahen Ein­grif­fe in reli­giö­se Fra­gen nur sehr ungern. Mit die­ser Ein­stel­lung fan­den die Ingel­hei­mer Rück­halt bei der Kir­che. Das Patro­nats­recht, d.h. das Recht, Kan­di­da­ten zu prü­fen und als Pfar­rer zu bestel­len, Steu­ern (Zehn­ten) zu erhe­ben, ver­bun­den mit Pflich­ten der Kir­chen- und Gebäu­de­un­ter­hal­tung, stand dem Dom­stift Mainz zu und blieb über die Refor­ma­ti­ons­zeit hin­aus unbe­rührt. Das Dom­ka­pi­tel dach­te nicht dar­an, den “alt­gläu­bi­gen” Pfar­rer durch einen refor­ma­to­ri­schen zu erset­zen. Die­ser hielt Got­tes­dienst zwar nach der neu­en kur­pfäl­zi­schen Kir­chen­ord­nung von 1556, jedoch im her­kömm­lich aus­ge­stat­te­ten Kir­chen­raum und mit den alten Meß­ge­wän­dern, sodaß die Bevöl­ke­rung der Mei­nung war, alles sei beim “alten” Glau­ben geblie­ben, wie es ihnen der Kur­fürst ver­spro­chen hat­te.

Erst Kur­fürst Fried­rich 111. (1559–1576) voll­ende­te die Refor­ma­ti­on, erar­bei­te­te die “Kur­pfäl­zi­sche Kir­chen­ord­nung von 1563” mit dem “Hei­del­ber­ger Kate­chis­mus” und brach mit der kirch­li­chen Ver­gan­gen­heit. 1565, am 13. Mai, besuch­te der Kur­fürst den luthe­ri­schen Got­tes­dienst in der Katha­ri­nen­kir­che zu Oppen­heim, exami­nier­te anschlie­ßend die Kir­chen- und Schul­die­ner, befand alle Prüf­lin­ge als “nicht recht­gläu­big”, schalt sie als “Papis­ten und Werk­hei­li­ge” und ent­ließ sie aus dem Dienst der Reichs­stadt Oppen­heim. Ab 15. Mai begann dann die vom Kur­fürst ange­ord­ne­te Besei­ti­gung der “bäbs­ti­schen Abgöt­te­rei”, d.h. die Zer­stö­rung der Altar­bil­der, Kru­zi­fi­xe, Figu­ren, Tauf­stei­ne, Sakra­ments­häus­chen, gemal­ten Fens­ter, Meß­ge­wän­der usw. im gan­zen Amt Oppen­heim, zu dem auch Ober- und Nie­der-Ingel­heim gehör­ten. In die­sem Zusam­men­hang muß­ten die luthe­ri­schen Pfar­rer von Ober- (Pfr. Dani­el) und Nie­der-Ingel­heim (Pfr. Peter) ihre Stel­len auf­ge­ben. Von sechs got­tes­dienst­li­chen Stät­ten Ober-Ingel­heims (Pfarr­kir­che, Toten­ka­pel­le, Kapel­len zum Hl. Jus­tus und Hl. Kreuz, Kapel­len in den Klös­tern Ingel­hei­mer­hau­sen (Kar­me­li­te­rin­nen) und Engel­thal (Zis­ter­zi­en­se­rin­nen)) blieb nur die Pfarr­kir­che, die heu­ti­ge Burg­kir­che erhal­ten. Damit war die Ein­füh­rung der Refor­ma­ti­on die 1556 begon­nen hat­te, zum Abschluß gekom­men. Die Reli­gi­ons­wir­ren waren damit jedoch noch nicht been­det. Wei­te­re “Nach­re­for­ma­tio­nen” fan­den statt, die mal die luthe­ri­sche Rich­tung begüns­tig­ten (Kur­fürst Lud­wig VI, 1576–1583), oder die cal­vi­nis­ti­sche (Kur­fürst Johann Kasi­mir, 1583–1592), oder die Uni­on zwi­schen bei­den anstreb­te (Kur­fürst Fried­rich IV.,1592–1610). Auch das katho­li­sche Ele­ment war nicht ganz auf­ge­blen­det, durch­zog doch ab 1349 alle sie­ben Jah­re die Karls­wall­fahrt aus dem Süd­os­ten des Rei­ches nach Aachen durch die Ingel­hei­mer Gemar­kung; auch blieb die Berüh­rung mit katho­li­schen Stif­ten und Klös­tern erhal­ten. Fer­ner blie­ben z.T. die Adli­gen, die vor­nehm­lich in Ober-Ingel­heim wohn­ten, Anhän­ger der alten Kon­fes­si­on und stell­ten mit ihren Bediens­te­ten einen, wenn auch gerin­gen katho­li­schen Bevöl­ke­rungs­an­teil; und, wo eine Haus­ka­pel­le vor­han­den, konn­te die hl. Mes­se gefei­ert wer­den, wenn dies auch öffent­lich ver­bo­ten war.

Im 17. Jahrhundert

1620 tra­ten zwei Ingel­heim beson­ders berüh­ren­de Ereig­nis­se ein:

Das kai­ser­li­che Heer Fer­di­nand II.(1619–1637) besiegt unter Til­ly in der Schlacht am wei­ßen Berg den “Win­ter­kö­nig” Fried­rich V. Kur­fürst von der Pfalz (1610–1620), der geäch­tet nach Hol­land flieht. Gleich­zei­tig rückt ein spa­ni­sches Heer von den Nie­der­lan­den her in der Pfalz ein, um die­se der katho­li­schen Reli­gi­on wie­der zuzu­füh­ren. Alle refor­mier­ten Pfar­rer und Leh­rer wur­den abge­setzt.

1630 wur­de an kei­ner kur­pfäl­zi­schen Pfar­rei mehr evan­ge­li­scher Got­tes­dienst gehal­ten. So wur­de und blieb auch Ober-Ingel­heim bis 1632, bis zum Ein­zug des Schwe­den­kö­nigs Gus­tav Adolf (1611–1632) in Mainz, katho­lisch. Er stellt 1632 mit Kur­fürst Fried­rich V. ein zukunft­wei­sen­des Kir­chen­pro­gramm auf: die Frei­heit der öffent­li­chen Reli­gi­ons­aus­übung soll­te den Refor­mier­ten, den Luthe­ra­nern und den Katho­li­ken zuer­kannt wer­den. Den­noch muß­te der von den Spa­ni­ern ein­ge­setz­te katho­li­sche Pfar­rer von Ober-Ingel­heim, Johann Jakob Knauff, im Febru­ar 1632 nach Kied­rich flie­hen. Er wur­de dann auf Emp­feh­lung des Jun­kers Köth von Wan­scheid, bei dem er zeit­wei­lig Zuflucht gefun­den hat­te, Pfar­rer von Hat­ten­heim. 1635 kamen wie­der die Kai­ser­li­chen in die Pfalz. Ein Dekret vom 14.11.1635 ord­ne­te an, “alle cal­vi­nis­ti­schen und luthe­ri­schen Prä­di­kan­ten samt ihren Wei­bern pp. aus dem Lan­de zu schaf­fen”. Der refor­mier­te Pfar­rer Niko­laus Tre­vi­ra­nus ver­ließ 1635 das Land. Das Pfarr­haus wur­de 1636 von den kai­ser­li­chen Trup­pen geplün­dert und nie­der­ge­brannt. Aller­dings bau­te das Main­zer Dom­ka­pi­tel das Pfarr­haus 1669–71 wie­der auf. Der schö­ne Bau steht heu­te noch.

1648 end­lich, nach erfolg­tem Frie­dens­schluß in Müns­ter (mit Fran­zo­sen und Osna­brück (mit Schwe­den) wur­de die Dul­dung der drei christ­li­chen Bekennt­nis­se (katho­lisch, luthe­risch, refor­miert) zum Reichs­recht erho­ben. Kur­fürst Karl Lud­wig (1648–1680) ermög­lich­te den Luthe­ra­nern und auch den Katho­li­ken die öffent­li­che Aus­übung ihrer Reli­gi­on, wenn auch sei­ne beson­de­re Für­sor­ge den Refor­mier­ten galt. Dar­über hin­aus bemüh­te er sich um eine Annä­he­rung der drei reichs­recht­lich aner­kann­ten Kon­fes­sio­nen. Auf Karl-Lud­wig folg­te Kur­fürst Karl (1680 1685), ein güti­ger und auf Aus­gleich bedach­ter Herr­scher. Er starb kin­der­los als letz­tes Glied des refor­mier­ten Hau­ses Wit­tels­bach – Sim­mern.

Kur­pfalz ging unter der Bedin­gung, die Rech­te der Refor­mier­ten nicht zu schmä­lern, an Wit­tels­bach – Neu­burg über, das 1613 wie­der katho­lisch gewor­den war. Am 15. Okto­ber 1685 erließ Kur­fürst Phil­ipp – Wil­helm (1685–1690) das Reli­gi­ons­pa­tent, das Refor­mier­te und Luthe­ra­ner gleich­stellt und 1686 die Katho­li­ken mit­ein­be­zog. Es führ­te zur Grün­dung einer luthe­ri­schen Pfar­rei in Ober-Ingel­heim. Auch die Katho­li­ken began­nen nun, Gemein­de­struk­tu­ren auf­zu­bau­en und erho­ben Anspruch auf Glo­cken­ge­läut und Kirch­hof­be­nut­zung.

Die Situa­ti­on der Katho­li­ken änder­te sich, als der fran­zö­si­sche König Lud­wig XIV. (1643–1715) Erb­an­sprü­che auf Kur­pfalz gel­tend mach­te und zu ihrer Durch­set­zung 1688 in die Pfalz ein­fiel. Kur­fürst Johann Wil­helm (1690 – 1716) begann mit Hil­fe der fran­zö­si­schen Sol­da­ten sei­ne Unter­ta­nen der katho­li­schen Reli­gi­on zuzu­füh­ren. 1692 wur­de das Simul­ta­ne­um ein­ge­führt, das bestimm­te, daß die vor­han­de­nen Kir­chen den drei zuge­las­se­nen Kon­fes­sio­nen zum gemein­sa­men Gebrauch offen stan­den. In Ober-Ingel­heim fei­er­ten die Katho­li­ken im Chor, die Refor­mier­ten im Schiff ihre Got­tes­diens­te. Die Ein­künf­te, die bis­her nur den Refor­mier­ten zuka­men, erhiel­ten nun die drei christ­li­chen Kon­fes­sio­nen. Ja noch mehr: Refor­mier­te und Luthe­ra­ner muß­ten die katho­li­schen Fei­er­ta­ge mit­be­ge­hen, sich an Pro­zes­sio­nen betei­li­gen und die katho­li­sche Erzie­hung der Kin­der aus Misch­ehen zulas­sen. Es kam zu erheb­li­chen Rei­be­rei­en, beson­ders in Ober-Ingel­heim. Der auf Ver­an­las­sung von König Lud­wig XIV. in Ober-Ingel­heim für den Ingel­hei­mer Grund ange­stell­te katho­li­sche Pfar­rer Dop­pes muß­te man­cher­lei Anfein­dun­gen der Refor­mier­ten ertra­gen, wie es aus einem Beschwer­de­brief Ober-Ingel­hei­mer Katho­li­ken her­vor­geht: Er sei “…geschen­det, geschme­het, einen öffen­li­chen War­wolff benahmst…” und bei einem Got­tes­dienst im Frei­en “… mit spott Undt Honn dem aller­höchs­ten gott Undt aller weldt zuwid­ter aus­ge­höndt ver­un­ehrt … ihm den Tod gedro­het…” wor­den. Noch 1693 hiel­ten die Refor­mier­ten alle Rats­her­ren- und Schöf­fen­stüh­le besetzt und ver­such­ten die Katho­li­ken, deren Zahl schon mit 500 ange­ge­ben wird, zu ver­trei­ben.

Der Frie­de zu Rijs­wi­jk (1697), der den Pfäl­zer Erb­fol­ge­krieg been­de­te, begüns­tig­te die Katho­li­ken, da Arti­kel IV bestimm­te, daß in allen, vom fran­zö­si­schen König Lud­wig XIV. zurück­ge­ge­be­nen Orten der reli­giö­se “sta­tus quo” erhal­ten blei­ben sol­le, ins­be­son­de­re auch die Kir­chen­be­nut­zung; und dies unab­hän­gig von der Zahl der Gläu­bi­gen. Bis dahin waren die Ober-Ingel­hei­mer Katho­li­ken zum Got­tes­dienst nach Gau-Alges­heim gegan­gen.

Das 18. Jahrhundert

Beschwer­den der Pro­tes­tan­ten und Ein­spruch Preu­ßens bewo­gen den Kur­fürs­ten zum Ein­len­ken und zum Erlaß der Reli­gi­ons­de­kla­ra­ti­on vom 21.11.1705, die den drei Kon­fes­sio­nen “voll­kom­me­ne Gewis­sens­frei­heit” zusi­cher­te. Das Simul­ta­ne­um wur­de auf­ge­ho­ben, die Pro­tes­tan­ten nicht mehr zur Teil­nah­me an katho­li­schen Fei­er­ta­gen genö­tigt und die kirch­li­chen Gebäu­de ver­teilt. Gemein­schaft­li­che Benut­zung einer Kir­che blieb sel­te­ne Aus­nah­me und erfor­der­te Abtren­nung durch eine Mau­er. Bei der Kir­chen­tei­lung erhiel­ten die Refor­mier­ten die grö­ße­re Kir­che, die Katho­li­ken bzw. Luthe­ra­ner die klei­ne­re. In Nie­der-Ingel­heim wur­de den Katho­li­ken die Remi­gius­kir­che, den Refor­mier­ten die Saal­kir­che zuge­teilt. In Ober-Ingel­heim erhiel­ten die Refor­mier­ten die ehe­ma­li­ge St. Wig­bert­kir­che, die heu­ti­ge Burg­kir­che. Die Katho­li­ken muß­ten also aus der bis dahin simul­tan genutz­ten “Burg­kir­che” und dem Pfarr­haus aus­zie­hen, um in dem ihnen zuge­wie­se­nen Rat­haus in der Kirch­gas­se ihre Got­tes­diens­te zu fei­ern. Der Schul­un­ter­richt soll­te im dazu­ge­hö­ri­gen Tanz­haus statt­fin­den.

Nach Über­lie­fe­rung (Krä­mer, 1954) erhiel­ten die Katho­li­ken beim Aus­zug aus der Refor­mier­ten Kir­che ein gro­ßes, goti­sches Kreuz, des­sen Ent­ste­hung auf die Zeit um 1320 im Köl­ner Raum ange­setzt wird: ein geschun­de­ner Chris­tus am Gabel­kreuz. Sol­che Kreu­ze wur­den zu Zei­ten der Pest beson­ders ver­ehrt. Die Ver­mu­tung, daß die­ses Kreuz aus der Burg­kir­che stammt, fußt dar­auf, daß es dort vor der Refor­ma­ti­on einen Hei­lig-Kreuz-Altar gab. Die­ser war samt Pfrün­de mit Geneh­mi­gung von Erz­bi­schof Adolf von Mainz 1469 aus der Hei­lig-Kreuz-Kapel­le auf dem Wes­ter­berg nach St. Wig­bert ver­legt wor­den, weil “schwär­men­de mai­ni­zi­sche Hau­fen” die Gegend außer­halb der Stadt­mau­ern brand­schatz­ten. Die an dem Aspis­hei­mer Weg in der Gewann “Im alten Kel­ler” lie­gen­de Kapel­le war 1420 ein­ge­weiht wor­den; Wall­fahr­ten führ­ten auch nach Ver­le­gung des Altars noch dort­hin.

Der Umzug war durch “hoher Regie­rungs Decre­ten” bereits früh­zei­tig vor­be­rei­tet wor­den, heißt es doch in einem Bericht (um 1817), daß “der Platz (1793) zwar ein der gesam­ten Gemein­de unstrit­tig gehö­ren­der Platz sei, daß (aber) auf die­sem Platz das alte Rat­haus gestan­den habe, wel­ches schon 1703 vom sei­ner­zei­ti­gen katho­li­schen Schul­meis­ter als Woh­nung und zum “Schu­lehal­ten” bezo­gen gewe­sen sei. Die­ser hat bis 1737 unge­stört dort gewohnt und schul­ge­hal­ten; die Gebäu­de­un­ter­hal­tung erfolg­te jedoch aus der Gemein­de­kas­se.”

Pfar­rer Fischer wider­setz­te sich dem Aus­zug aus der Burg­kir­che und schlug die Abmaue­rung des Chor­rau­mes vom Kir­chen­schiff vor. Die refor­mier­te Gemein­de war damit in kei­ner Wei­se ein­ver­stan­den und sand­te eine Depu­ta­ti­on zur Reli­gi­ons­kom­mis­si­on nach Hei­del­berg, die mit dem kla­ren Bescheid zurück­kam, daß “… auch Cathol. Pas­to­ri zu befeh­len, daß er das Chor oder eißen Git­ter davor öff­ne und den Schlüs­sel dazu der ref. Gemein­de extra­dire.” Pfar­rer und Land­de­chant Kas­par Wil­helm Fischer ver­ließ die refor­mier­te Kir­che nur mit Wider­stand und unter Gewalt­an­wen­dung. Das geht aus einem Schrei­ben des Ober­am­tes Oppen­heim her­vor, in dem der Ober­schult­heiß von Ober­Ingel­heim gefragt wird, ob der Scha­den des Dekans Fischer erlas­sen oder sonst­wie bezahlt wor­den sei.

Die katho­li­sche Gemein­de wur­de bis 1765 als Filia­le des Spren­gels Nie­der-Ingel­heim im Alges­hei­mer Land­ka­pi­tel geführt, des­sen Dekan Pfar­rer Fischer mit Amts­sitz in Ingel­heim, Bel­zer­stra­ße war.

Die nach­fol­gen­de Tabel­le gibt einen Über­blick über die dar­ge­stell­ten Vor­gän­ge wäh­rend der Refor­ma­ti­ons­zeit.

Kon­fes­sio­nen in Ingel­heim im 16. – 18. Jahr­hun­dert

 

Zeit­span­ne Katho­li­ken Luthe­ra­ner Refor­mier­te Regierung/Bemerkungen
1517 Luther ver­öf­fentl. 95 The­sen
bis 1556 St.Wigbert O.I. /
St. Remi­gius N.I.
Kf. Fried­rich II 1544/56
1556–1565 - Ref. Kir­chen N. I. + O.I. - Kf.Ottheinrich 1556/59; sanf­te Ref.
1565–1576 - Ref.Kirchen N.I. + O.I. Kf. Fried­rich III 1559/76; radi­ka­le Ref.
1576–1583 - Ref.Kirchen N.I. + O.I. - Kf. Lud­wig VI 1576/83; Kon­kor­di­en­for­mel
1583–1592 - - Ref. Kir­chen N.I. + O.I. Kf. Johann Kasi­mir 1583/92
1592–1610 - + Ref. Kir­chen N.I. + O.I. Kf. Fried­rich IV 1592/1610
1610–1620 - + Ref. Kir­chen N.I. + O.I. Kf. Fried­rich V 1610/32
1620–1632 St.Remigius N.I. /
St. Wig­bert O.I.
- Kais. Fer­di­nand II 1619/37 + spa­nisch. Heer
1632–1635 + + Ref. Kir­chen N.I. + O.I. Kg. Gus­tav Adolf + schwed. Heer (relig. Tole­ranz)
1635–1648 St.Remigius N.I. /
St. Wig­bert O.I.
- - Kais. Fer­di­nand III 1637/57 + Kai­serl. Heer
1648–1680 + + Ref. Kir­chen N.I. + O.I. Kf. Karl-Lud­wig 1648/80
1680–1685 + + Ref. Kir­chen N.I. + O.I. Kf. Karl 1680/85
1685–1692 St.Remigius N.I. /
St. Wig­bert O.I.
Pfar­rei ohne Kir­che + Kf. Phil­ipp-Wil­hel­m1685/90; Rel. Patent
1692–1705 St.Remigius N.I. /
St. Wig­bert O.I.
St.Remigius N.I. /
St. Wig­bert O.I.
St.Remigius N.I. /
St. Wig­bert O.I.
Kf. Johann-Wil­helm 1690/1716;
Simul­ta­ne­um + franz. Heer
ab 1705 St.Remigius N.I. /
Rat­haus O.I.
Saal­kir­che N.I. /
Reform. Kir­che O.I.
Kf. Johann-Wil­helm; Gewis­sens­frei­heit
1710 Kir­chen­bau O.I. im Neu­weg
1722–1765 Kir­chen­bau 0.I. im Neu­weg
1822 St. Micha­el O.I. /
St. Remi­gius N.I.
Ver­ei­nig­te evan­ge­lisch-christ­li­che Kir­che (Uni­on)
Saal­kir­che N.I.
Ref. Kir­che O.I. Gr. Hz. Lud­wig II.

Erklä­rung: 0.I. = Ober-Ingel­heim; N.I. = Nie­der-Ingel­heim; Ref. Kir­chen = die ehe­mals Kath. Kir­chen in refor­mier­tem Besitz;

- = Kon­fes­si­on ohne Geist­li­chen und ohne Zulas­sung;

+ = Kon­fes­si­on gedul­det, aber ohne eige­nen Geist­li­chen; Kf.. = Kur­fürst von der Pfalz; Kais. = Deut­scher Kai­ser; Kg. (hier) schwe­di­scher König, Gr.Hz = Groß­her­zog

 

Grundlage guter Ökumene und Bau der Pfarrkirche St. Michael

Eine Epi­so­de blieb der Ver­such des fran­zö­si­schen Bri­ga­de­ge­ne­rals Klein­hold, der 1714 mit 70 Dra­go­nern in Ober-Ingel­heim ein­ge­rit­ten war, um den katho­li­schen Got­tes­dienst in der refor­mier­ten Kir­che durch eine “Dra­go­na­de” wie­der her­zu­stel­len. Nach vier Wochen zogen die Fran­zo­sen unver­rich­te­ter Din­ge wie­der ab. Die Zurück­blei­ben­den ent­schul­dig­ten sich gegen­sei­tig mit höf­li­chen Wor­ten und dem Ver­spre­chen, gute Freund­schaft zu hal­ten.

Das Rat­haus als Got­tes­dienst­raum war natür­lich nur ein Not­be­helf. So sann man als­bald nach Abhil­fe, sam­mel­te einen Bau­fonds an, erhoff­te sich eini­ge 100 fl aus Holz­ver­kauf vom Ingel­hei­mer Wald und erstell­te einen Bau­plan. Die­sen sand­te auf Betrei­ben des Kur­pfäl­zi­schen Land­schrei­bers der refor­mier­te Inspek­tor Preu­es mit Anschrei­ben an die refor­mier­ten Pfar­rer der bei­den Ingel­heim zur Erör­te­rung. Die reli­giö­sen Span­nun­gen waren zurück­ge­gan­gen, und so half die refor­mier­te Bür­ger­schaft mit Hand- und Spann­diens­ten.

Ein unda­tier­ter Ent­wurf eines Werk­ver­tra­ges von 1721 mit den Mau­rer­meis­tern Peter Lyon und Jakob Eyssen­ber­ger blieb erhal­ten. Da heißt es: “…kund und offen­bar zu wis­sen seye hier­mit jeder­man­nig­lich, nach­dem wir alhier zu Ober-Ingel­heim eine neue catho­li­sche Kir­che auf­zu­bau­en resol­viert und mit bey­den Mau­rer­meis­tern im Ingel­hei­mer Grund Meis­ter Peter Lyon und Jakob Eyssen­ber­ger das Mau­er­werk bedun­gen, wie her­nach folgt:

1. Ver­mög des bereits über­ge­be­nen Bauw-Riß soll in fun­da­men­tem ange­fan­gen und ein Ruth 512 schu­he aus­ma­chen, pro 5 fl. ver­ac­cor­diert mit einer guten Maue­rer-Arbeit, wovor in allem Mann u. Meis­ter seye mußen, machen und zwar:

2. ein Cas­ten 33 Schue hoch, breit und dick, soll befin­den­den ding auff Gut­ach­ten ver­fer­tigt machen, wie dann

3. mit arbeit sol­len sie för­dern und nicht aus­set­zen, dar­bey dann all­zeit seyn und vor alles sor­gen sol­len. … ”

Der Grund­stein zum neu­en Got­tes­haus wur­de am 1. Mai 1721 im Namen der Hei­ligs­ten Drei­fal­tig­keit und ihrer Chur­fürst­li­chen Durch­laucht Carl Phil­ipp durch Hochw. Gna­den Frei­herrn Gott­fried Lang­werth von Sim­mern und den Werk­meis­ter Peter Lyon im Bei­sein von Pfar­rer Johann Erwin Fabri­ci­us aus Nie­der – Ingel­heim und der Gemein­de gelegt. Er befin­det sich in Sand­stein mit Inschrift an der Außen­süd­wand des Cho­res. Die Inschrift lau­tet:

ANO 1721 DE ITEN MAI / IST DER ERSTE G. STEIN IM / NAHMEN DER H. DRIFALT= / IGKEIT UND HRO. CHRFUR= /STL. DURCHL.C. P. UNSE= / RS GNDN HERRN, WIE AU= / CH IHRO HOCHW: GNADEN / GOTTO FRDUS LANGWERTH / V. SEIEN GELEGT WOR= / DEN JOH. PETER / LYON MAURER MEISTER

Im Früh­jahr 1722 war der Roh­bau bis auf die Wöl­bung des Cho­res voll­endet. Eine Ver­mes­sung des Mau­er­wer­kes ergab nach einer Auf­zeich­nung vom 5. Mai 1722 fol­gen­de Maße: “die Kirch ist lang vff der seith in fun­da­ment 59 Schuh, die ande­re seit­he 59 Schuh. Die Hof­mau­er ist lang in fun­da­ment 43 1/2 Schuh, hoch 5 1/2 Schuh. Die Kir­che ist ein ein­fa­cher Saal­bau mit einem nach Osten gerich­te­tem fünf­sei­ti­gen Chor. Nach oben ist sie mit fla­cher Decke (aus Holz) abge­schlos­sen. Zur inne­ren Aus­stat­tung wur­den grö­ße­re Werk­stü­cke aus dem 1573 auf­ge­lös­ten Klos­ter Engel­thal, zwei Früh­re­nais­sance – Säu­len, und aus der ref. Kir­che, zwei Altar­stei­ne und ein Tauf­stein ver­wen­det. Letz­te­re ver­ehr­ten die refor­mier­ten Rats­her­ren auf Bit­te des Ober­schult­hei­ßen Bie­bes­hei­mer “auß nach­bar­li­chen und mit brü­der­li­cher Lie­be” der neu­en Kir­che. Für die klei­ne und arme Gemein­de war der Kirch­bau mit unsäg­li­chen Mühen und Opfern ver­bun­den. “Die Kir­che 1721 von der Catho­li­schen gemeind Theilß auf eige­nem, Theilß aus frömb­ter guth bey­steu­er (=Zusatz­steu­er der Gemein­de­mit­glie­der) (erbaut), muß auch an gemäu­er und in allem von eben die­ßer cath. gemeind unter­hal­ten wer­den; auch daß (sie) von geist­li­cher Admi­nis­tra­ti­on jähr­lich 12 fl erhält,” lesen wir in der Chro­nik, und 1771 heißt es: “Das Kir­chen­äu­ße­re ist zwar gut von Mau­er­werk, hat aber bis­her wegen armuth der gemeind noch nicht kön­nen bewor­fen wer­den, wel­ches sehr schäd­lich. So hat auch die Kir­che kei­nen Thurm, kei­ne Glo­cken, son­dern das zie­hen zum Got­tes­dienst wird mit einem klei­nen glöck­lein, wel­ches vor Zei­ten auf der St. Jost, nun auf dem Rat­hauß getan”. Gemeint ist die Glo­cke von der Spi­tal­kir­che St. Jus­tus in der Rin­der­bach. Zu die­ser Zeit war die Kir­che St. Jus­tus Rui­ne und das Glöck­lein hing als Schrö­ter­glo­cke im Rat­haus (Schrö­ter sind für den Wein­trans­port pri­vi­le­gier­te Fuhr­leu­te, die nach erfolg­tem Wein­ver­kauf mit­tels der Glo­cke zwecks Abtrans­port zusam­men­ge­ru­fen wur­den). Die Glo­cke der refor­mier­ten Kir­che durf­ten die Katho­li­ken zwar zu Trau­un­gen und Beer­di­gun­gen läu­ten, nicht aber zu ihren regu­lä­ren Got­tes­diens­ten.

Nach der Fer­tig­stel­lung des Kir­chen­ge­bäu­des konn­te erst nach und nach die Innen­aus­stat­tung beschafft wer­den. Bezeich­nend für den Geld­man­gel mag sein, daß die Stif­tung des Kai­ser­li­chen Kam­mer­ge­richts­as­ses­sors Frei­herr von Geis­mar in Höhe von 200 Gul­den für die Anschaf­fung eines Altars von der Mann­hei­mer Regie­rung mit dem Vor­be­halt geneh­migt wur­de, daß das Geld für die Wöl­bung des Cho­res zu ver­wen­den sei. Der Schen­ker war mit die­ser Umwid­mung nicht ein­ver­stan­den und hat­te noch wei­te­re Wün­sche btr. Erb­be­gräb­nis in der Kir­che und Aner­ken­nung als Reichs­rit­ter, wor­auf sich die Gemein­de nicht ein­las­sen konn­te. 100 bereits über­ge­be­ne Gul­den wur­den zurück­ver­langt, aber nicht zurück­ge­ge­ben. Der Streit muß fried­lich aus­ge­gan­gen sein, denn schon fünf Jah­re spä­ter, 1727, schenkt Frau von Geis­mar zu Ober-Ingel­heim (das goti­sche Haus an der Stra­ße zur Burg­kir­che erin­nert noch heu­te an sie) der dor­ti­gen katho­li­schen Kir­che zur hei­li­gen Drei­fal­tig­keit Wein- und Geld­zin­sen von ihr gehö­ren­den Gütern, die der Kir­che jähr­lich 9 Vier­tel Wein und 10 Gul­den 27 Albus ein­brach­ten.

Der Hoch­al­tar, ein Werk des Main­zer Schrei­ner­meis­ters Wolf­gang Joseph Wieß, nebst Figu­ren des Main­zer Bild­hau­ers Anto­ni­us Mertz konn­te erst 1747, also 25 Jah­re nach Roh­bau­fer­tig­stel­lung auf­ge­stellt wer­den. Chris­ti­an Wieß, Schreiner­ge­sel­le und wohl Bru­der des Meis­ters signier­te den Dreh­ta­ber­na­kel 1747. Der Altar kos­te­te 200 fl., die Figu­ren 150 fl. Neun Jah­re spä­ter, 1755 ließ Mar­si­li­us von Nagel aus Müns­ter i.W., Oberst im Diens­te der Kur­pfalz und Kom­man­deur der müns­te­r­i­schen Trup­pen, den in Lin­den­holz geschnitz­ten Hoch­al­tar durch den Main­zer Maler Andre­as See­land für 300 fl. bunt fas­sen und z.T. ver­gol­den. Das Wap­pen zwi­schen Kreu­zi­gungs- und Drei­fal­tig­keits­grup­pe in Rocail­le-Form “Drei Nägel in einem Dorn­strauch”, ist das der Fami­lie von Nagel und erin­nert an den Stif­ter.

Wei­te­re Aus­stat­tungs­stü­cke der Kir­che aus der’ Zeit um 1730 sind die bei­den Neben­al­tä­re, links zu Ehren der Mut­ter Got­tes und rechts der des Kir­chen­pa­trons, des hei­li­gen Erz­engels Micha­el. Sie sind in ein­fa­cher, aber schmu­cker Barock­form geschaf­fen.

In die­sem Zusam­men­hang stif­te­ten die Gra­fen von Ingel­heim für den St. Micha­el­sal­tar eine Micha­el­sta­tue mit einem Wap­pen­schil­de in der Hand, auf dem sich das Wap­pen derer von Ingel­heim mit dem geschach­te­ten Kreuz, rot – gold in schwarz befand. Lei­der ging die­se Figur ver­lo­ren.

An wei­te­ren Stif­tern sei­en erwähnt: von Lang­werth, Weih­bi­schof zu Regens­burg, der den Grund­stein gelegt und der Kir­che den Wein­zins eines Wein­bergs in Lau­ren­zi­berg gestif­tet hat; Anna Eli­sa­beth Char­lot­te geh. von Mos­bach zu Lin­den­fels, die einen Speis­ekelch stif­te­te und der Ober­schult­heiß Bie­bes­hei­mer, der der Pfar­rei 1 1/4 Acker schenk­te, auf dem das Pfarr­haus gebaut wer­den soll­te. Der Bau unter­blieb zunächst wegen der hohen Kos­ten. Viel­mehr kauf­te die kath. Gemein­de 1765 ein an den Pfarr­gar­ten von Bie­bes­hei­mer angren­zen­des Haus als Pfarr­haus für 1450 Gul­den. Um die für die­sen Erwerb ein­ge­gan­ge­nen Schul­den abtra­gen zu kön­nen, wur­den Bet­tel­brie­fe ver­schickt, so auch an den Hoch­ge­bo­re­nen, des hei­li­gen Römi­schen Rei­ches Gra­fen, den hoch­ge­bir­t­hend, gnä­di­gen Herrn Johann Phil­ipp von Ingel­heim, in dem “wir Ober-Ingel­hei­mer Catho­li­sche gantz aus­neh­mend honer­i­ren in Betrach­tung der noch sicht­ba­ren Merk­ma­le in der uralten hie­si­gen rit­ter­schaft­li­chen, frü­her katho­li­schen, jetzt aber durch im Jah­re 1707 unglück­li­cher­wei­se erfolg­te Kir­chen­tei­lung den Refor­mier­ten zuge­fal­le­nen Stifts­kir­che. Wir muß­ten in jenem Jahr die­se anmu­ti­ge, zur Andacht anhal­ten­de und auch mit Ingel­hei­mer Grab­plat­ten wie auch mit Ingel­hei­mer Wap­pen ver­se­he­nen Altä­ren geschmück­te Kir­che unse­ren Glau­bens­geg­nern über­las­sen; und 15 Jah­re lang ohne eige­ne katho­li­sche Kir­che sein, bis end­lich im Jahr 1722 auf Kos­ten der armen katho­li­schen Gemein­de und durch das Bei­steu­ern gut­her­zi­ger Wohl­tä­ter mit gnä­digs­ter Erlaub­nis Ihro Chur­fürs­ten durch­laucht Von der Pfalz ein neu­es katho­li­sches Kirch­lein erbaut wor­den ist. Dar­in ziert der hei­li­ge Erz­engel Micha­el, als unser Kir­chen­pa­tron mit dem Hoch­gräf­li­chen Ingel­hei­me­ri­schen Creutz auf sei­nem Schild ein Altar­bild, wodurch uns das Andenken an die von Ihren from­men Vor­fah­ren der katho­li­schen Kir­che erwie­se­nen Wohl­ta­ten an kei­nem Tag ent­geht” (v. Verf. auf ver­ständ­li­ches Deutsch gebracht).

Erstaun­lich ist in die­ser Situa­ti­on, daß schon 1751 an die Anschaf­fung einer Orgel gedacht wird, die dann auch 1758 von der Fir­ma Gebr. Stumm in Rhaunen/Hunsrück gelie­fert und ein­ge­baut wur­de.

Am 8. Okto­ber 1767 war es end­lich so weit: die Kir­che, die vor­her nur bene­di­ziert war, wur­de durch den aus Schwa­ben­heim stam­men­den Weih­bi­schof von Mainz, Chris­toph von Nebel fei­er­lich ein­ge­weiht. Der Patron der Kir­che ist der hl. Micha­el, Titu­lus der­sel­ben ist die hei­ligs­te Drei­fal­tig­keit. Die Kos­ten der Ein­wei­hung betru­gen 87 fl, 20 1/2 kr, von denen die kath. Bür­ger 41 fl und 28 kr bei­steu­er­ten. Die Aus­la­gen für Blu­men und Essen betru­gen 12 fl und 7 kr.

Das Patro­nats­fest wird jeweils am letz­ten Sonn­tag im Sep­tem­ber gefei­ert, das Kirch­weih­fest am 2. Sonn­tag im Okto­ber.

Der fei­er­li­chen Kir­chen­ein­wei­hung vor­aus­ge­gan­gen war im Jah­re 1765 die unter der Regie­rung des Chur­fürs­ten Carl Theo­dor von der Pfalz erfolg­te Erhe­bung der Fili­al-Gemein­de Ober-Ingel­heim zur selb­stän­di­gen Pfarr­ge­mein­de.

Am 24. Mai 1765 wur­de der Kaplan Johann Mihm aus Nie­der-Ingel­heim als Pfar­rer der “catho­li­schen See­len” zu Ober-Ingel­heim ein­ge­setzt. Er blieb bis 1798 hier Pfar­rer und wur­de nach sei­nem Tode vor dem Hoch­al­tar bei­gesetzt.

Sein Sala­ria (Gehalt) in Höhe von 200 Gul­den, 26 Mal­ter Korn und 6 Ohm Wein erhielt er von der geist­li­chen Admi­nis­tra­ti­on. Am 22. Sep­tem­ber 1776 – Bericht von Pfar­rer Mihm an die Admi­nis­tra­ti­on in Mann­heim – gehör­ten zu sei­ner Pfar­rei:

Wes­ter­häu­ser Hof des Gra­fen von Ingel­heim mit 21 Seelen;3/4 Stund

Eulen­müh­le des Herrn von Ulner mit 10 Seelen;1/2 Stund

Lay­en­müh­le des Herrn von Nagel mit 8 Seelen;1/4 Stund

Grieß­müh­le des Herrn von Horneck mit 7 Seelen;1/4 Stund

Ins­ge­samt gehör­ten zur Pfar­rei 481 See­len, 69 mehr als 1765.

Pas­to­ral ist die zwei­te Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts im Erz­bis­tum Mainz gekenn­zeich­net von ratio­na­len, auf­klä­re­ri­schen Refor­men. Die barock­über­la­de­nen Got­tes­diens­te wur­den ver­ein­facht, der Eucha­ris­ti­sche Segen in der hl. Mes­se ein­ge­dämmt und Pro­zes­sio­nen begrenzt, berit­te­ne Pro­zes­sio­nen wie die zum Lau­ren­zi­berg ganz ver­bo­ten, die Zahl der Fei­er­ta­ge ver­rin­gert und gelob­te Fes­te und Hagel­fei­er­ta­ge ganz gestri­chen. Das 1787 her­aus­ge­ge­be­ne deutsch­spra­chi­ge Gesang­buch wur­de vom Volk als “pro­tes­tan­tisch” ver­schrien und lös­te den Gesang­buch­streit mit der bischöf­li­chen Behör­de aus.

Die Jesui­ten­feind­lich­keit des höhe­ren Kle­rus wuchs bis zur Auf­he­bung des Ordens 1773. Ande­rer­seits wur­de star­ker Wert auf cari­ta­ti­ve Tätig­keit gelegt wie Armen­be­treu­ung und Unter­halt von Hos­pi­tä­lern. Auf glei­cher Ebe­ne liegt, daß die Anord­nung des Kur­fürs­ten von der Pfalz, ein Hos­pi­tal zu unter­hal­ten, von der Ober­ingel­hei­mer Gemein­de den Katho­li­ken über­tra­gen wur­de, deren Glöck­ner gleich­zei­tig Kran­ken­pfle­ger war und im Spi­tal in der Rin­der­bach­gas­se wohn­te.

In die Amts­zeit von Pfar­rer Mihm fiel auch der Bau eines Glo­cken­türm­chens, eines Dach­rei­ters zur Auf­nah­me zwei­er Glo­cken. Dazu heißt es in einem Schrei­ben des Pfäl­zi­schen Ober­amt­man­nes in Oppen­heim vom 9. Juli 1775: “…Von Ober­amts­we­gen die Geneh­mi­gung zu der von bei­den Gemein­den Ober- und Nie­der-Ingel­heim gemach­ten Schen­kung von 60 Eich­stäm­men aus deren sel­bi­gen gemei­ner zum … des catho­li­schen Glo­cken Thurm­bau­es zu Ober-Ingel­heim ert­heilet, will man den Abriß des zu ver­fer­ti­gen­den Thurms mit dem Über­schlag, haubt­säch­lich jenen des Zim­mer­manns über die dar­zu erfor­der­li­che Anzahl des Hol­zes und des­sen etwai­ge Dickung ein­se­hen, welch ein und ande­res die Kirch zu Ober- Ingel­heim anhe­ro ein­zu­schi­cken hat.” Die Nach­fra­ge wur­de wohl beant­wor­tet, und so konn­te am 14. August 1775 mit Dach­de­cker­meis­ter Schreeb aus Nie­der-Ingel­heim ein “a Kort” beschlos­sen wer­den, der Auf­bre­chen des Daches, den gan­zen Turm neu decken, mit Blech beschla­gen samt Turm­kreuz und Hahn, Alten Turm (-gemeint ist ein Gestell als Hal­te­rung für eine klei­ne Glo­cke-) abbre­chen und Loch dau­er­haft decken, das Kreuz vom Gie­bel auf die Turm­spit­ze set­zen und sons­ti­ge Dach­de­cker­ar­bei­ten beinhal­tet. Der “a Kort” mit Zim­mer­manns­meis­ter Feil ent­hielt: neu­en Kirch­turm bau­en, begin­nend am ers­ten Köhl­ge­bälk, kan­tig oder sechs­eckig mit Außen­maß neun Schuh, Höhe der Schal­lö­cher sechs Schuh, sechs Zoll, mit Bögen und schließ­lich über der gro­ßen Kup­pel noch ein “klein Küp­pel­chen mit einem schö­nen Gesims­lein bis an den Knopp”. Dem Zim­mer­mann muß­ten alle Mate­ria­li­en beschafft wer­den und Hil­fe mit einem Fla­schen­zug geleis­tet wer­den. Der Turm­bau kos­te­te 40 Gul­den, einen Taler, die aus mil­den Gaben (Bey­steu­ern) auf­ge­bracht wur­den. Zwei Glöck­lein, das grö­ße­re zu 210 Pfund, das klei­ne­re zu 116 Pfund schaff­te Frau Doro­thea Geh­mer, von Geis­mar­sche Ver­wal­te­rin, an.

Von den Ver­än­de­run­gen der Gesell­schaft und den Wir­ren im Gefol­ge der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on scheint die St. Micha­el-Kir­che weni­ger beein­träch­tigt wor­den zu sein, als etwa die Burg­kir­che, in der die Grab­mä­ler der Ober­ingel­hei­mer Rit­ter ver­stüm­melt, die Adels­wap­pen abge­schla­gen und wert­vol­le alte Fens­ter zer­stört wor­den sind. Man fei­er­te dort die Göt­tin der Ver­nunft. Weiß geklei­de­te Mäd­chen führ­ten um den Altar einen Tanz­rei­gen auf. Ein Bür­ger sprach als Volks­tri­bun von der Kan­zel. Das Gan­ze wur­de als “Och­sen­fest” bezeich­net.

Bei St. Micha­el wur­de das Pfarr­haus durch mili­tä­ri­sche Ein­quar­tie­rung und Ver­wen­dung als Laza­rett stark her­ab­ge­wirt­schaf­tet. Mög­li­cher­wei­se ist in die­ser Zeit die St. Micha­els-Figur, die ja auch das Wap­pen der Gra­fen von Ingel­heim trug, ver­schwun­den; wir wis­sen es nicht.

Mit dem Staats­streich Napo­le­ons und sei­ner Erhe­bung zum Ers­ten Kon­sul setz­te eine Ver­bes­se­rung der reli­giö­sen Ver­hält­nis­se ein, frei­lich ging auch das alte Erz­bis­tum Mainz unter. Die Bis­tums­gren­zen wur­den dem neu gebil­de­ten fran­zö­si­schen Depar­te­ment “Don­ners­berg” ange­gli­chen. Ober-Ingel­heim selbst wur­de Kan­tons­haupt­ort in die­sem Depar­te­ment.

Aus die­ser Zeit stam­men die im Pfarr­ar­chiv befind­li­chen Anord­nun­gen des aus Straß­burg stam­men­den, von Napo­le­on ein­ge­setz­ten Bischofs Col­mar, bei Sie­gen der fran­zö­si­schen Arme­en die Glo­cken zu läu­ten.

Der Wie­ner Kon­greß schließ­lich schlug den links­rhei­ni­schen Teil des ehe­ma­li­gen Kur­mainz nebst Ingel­hei­mer Grund als Pro­vinz Rhein­hes­sen zum Groß­her­zog­tum Hes­sen – Darm­stadt.

Die Ent­wick­lung der kath. Gemein­de von Ober-Ingel­heim läßt sich an fol­gen­den Zah­len ver­deut­li­chen:

Jahr Anzahl
1698 46 + Kin­der
1765 412
1776 481
1836 604
1865 424
1930 1100
1969 1700
und heu­te 1486

Auf­fal­lend ist der Rück­gang zwi­schen 1836 und 1865. Er beruht auf den im Gefol­ge der 1848/49er Revo­lu­ti­on ein­her­ge­hen­den poli­ti­schen und reli­giö­sen Erschüt­te­run­gen, auch auf der Ableh­nung der Hei­ligrock­aus­stel­lung 1848 in Trier durch auf­ge­klär­te Katho­li­ken. Viel Zulauf erhielt der “deutsch­ka­tho­li­sche”, spä­ter “Frei­re­li­giö­se Bewe­gung” genann­te Zusam­men­schluß aus den evan­ge­li­schen, katho­li­schen und jüdi­schen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten. Dr. Johan­nes Mar­tin Mohr, Mit­glied der Frank­fur­ter Natio­nal­ver­samm­lung, war rüh­ri­ges Mit­glied die­ser Bewe­gung.

Eine Errun­gen­schaft der Revo­lu­ti­on von 1848 war die Erkämp­fung des lan­ge ver­wei­ger­ten Ver­eins­rech­tes. Es kam zum ers­ten deut­schen Katho­li­ken­tag vom 3. – 6.10.1848 in Mainz, auf dem kirch­li­che Frei­heit und Asso­zia­ti­ons­recht gefor­dert wur­den. Die Regie­rung von Hes­sen-Darm­stadt folg­te die­ser For­de­rung durch ent­spre­chen­de Gesetz­ge­bung.

Der von 1875 – 1887 in Deutsch­land geführ­te Kul­tur­kampf gegen die katho­li­sche Kir­che führ­te auch in Ober-Ingel­heim dazu, daß die Gemein­de­rä­te die mit gro­ßen Opfern erwor­be­nen und erhal­te­nen Con­fes­si­ons­schu­len 1875 auf­ho­ben und in die Kom­mu­nal­schu­le ein­glie­der­ten.

1882 wur­de die Mich­als­kir­che innen reno­viert: die Holz­de­cke, von der an Pfings­ten 1880 wäh­rend der Pre­digt gro­ße Stü­cke Kalk­putz mit Getö­se her­un­ter­ge­fal­len waren, erhielt eine Putz­de­cke, der bis dahin mit alten Grab­plat­ten und Stein­plätt­chen ver­schie­de­ner “facon” (Chor, Mit­tel­gang) bzw. ange­faul­ten Holz­die­len beleg­te Boden erhielt neu­en Plat­ten­be­lag; neue Kir­chen­bän­ke ersetz­ten die alten, unbe­que­men, nur aus dün­nen Bret­tern zusam­men­ge­na­gel­ten; die über dem Mari­en­al­tar ange­brach­te Kan­zel wur­de aus schwin­deln­der Höhe her­un­ter­ge­holt, ins Kir­chen­schiff ver­legt, mit neu­er Trep­pe ver­se­hen und man­cher­lei über­kom­me­ner Kram ent­fernt. Die Kir­che wur­de innen bunt aus­ge­malt, u.a. mit zwei Engeln links und rechts vom Tri­um­pf­bo­gen und dun­kel gestri­che­ner Decke. Die Restau­rie­rung wur­de wesent­lich von der Gemein­de auf­grund der durch den Kul­tur­kampf gestie­ge­nen Opfer­freu­dig­keit bezahlt.

1891 erhielt die Kir­che erst­ma­lig einen Außen­putz. Kreuz und Hahn auf dem Turm wur­den restau­riert, die Figur des “Guten Hir­ten” ange­schafft; sie steht jetzt im Kirch­gar­ten; im Chor Vor­hän­ge durch bun­te Fens­ter ersetzt und der Hoch­al­tar gestri­chen.

1894 wur­den neue (die jet­zi­gen) Beicht­stüh­le in die dafür in die Sei­ten­wän­de gebro­che­nen Nischen (heu­te lks. Pie­ta und re. HI.Josef)gesetzt; der Dreh­ta­ber­na­kel den kirch­li­chen Vor­schrif­ten angepaßt.

1895 ersetz­te man wegen Unfall­ge­fahr die geschweif­ten, baro­cken Altar­stu­fen durch gera­de.

Nach­dem am 1.1.1903 die groß­her­zog­li­che Regie­rung in Darm­stadt die Nie­der­las­sung von Schwes­tern von der gött­li­chen Vor­se­hung zu Mainz geneh­migt hat­te, zogen die­se am 15.11.1903 in das Wohn­haus von Herrn Anton Speth im Neu­weg ein und grün­de­ten die Ober-Ingel­hei­mer Schwes­tern­sta­ti­on. Auf­ga­be der Sta­ti­on war Kran­ken­pfle­ge und Näh­un­ter­richt. Im Dezem­ber 1910 konn­te die Pfarr­ge­mein­de die Hof­rai­the des Herrn Gaul in der Gra­ben­gas­se 25 kau­fen, in deren Wohn­haus die Schwes­tern nach ent­spre­chen­dem Umbau am 1. Sep­tem­ber 1910 ein­zo­gen. 1919 wur­de die an das Wohn­haus anschlie­ßen­de Scheu­er zu zwei Sälen umge­baut und die Betreu­ung von Klein­kin­dern auf­ge­nom­men; 1936 ein wei­te­rer Anbau voll­endet. An der Sta­ti­on kamen 4 – 6 Schwes­tern ihren Auf­ga­ben nach. Noch heu­te erin­nert die bun­te Ver­gla­sung im Raum der Pfarr­bü­che­rei an die ehe­ma­li­ge Kapel­le der Schwes­tern­sta­ti­on. Die Nie­der­las­sung muß­te 1960 wegen Nach­wuchs­man­gels geschlos­sen wer­den.

1928 erhielt die Kir­che drei bun­te Fens­ter: im Chor re. zur Erin­ne­rung an die im 1. Welt­krieg Gefal­le­nen, im Schiff lks. eines mit der Geburt Chris­ti, re. eines mit der Krö­nung Mari­ens. Fer­ner wur­de die Kir­che neu aus­ge­malt.

1929 wur­de eine Hei­zungs­an­la­ge ein­ge­baut und hier­zu der Chor unter­kel­lert.

Der Kir­chen­kampf der Natio­nal­so­zia­lis­ten zeig­te auch bei St. Micha­el in Ober-Ingel­heim unlieb­sam Vor­komm­nis­se. Der ers­te Kaplan der Gemein­de Karl Franz, von 1928 – 1933 an St. Micha­el, hat­te sich beson­ders mit Jugend­ar­beit befaßt. Nach einem Stel­len­wech­sel muß­te er vor den Natio­nal­so­zia­lis­ten aus Deutsch­land flie­hen und lan­de­te schließ­lich als Mis­sio­nar in Bra­si­li­en. Vom 10.5.1933 bis zum 1.5.1936 war der Kaplan Dr. Jakob Berg­mann zur Unter­stüt­zung des schon alten Pfar­rers Schä­fer ein­ge­setzt. Er hat­te den Rab­bi­ner-Ver­tre­ter und Leh­rer Lang­städ­ter aus Ober-Ingel­heim auf dem gemein­sa­men Heim­weg vom Bahn­hof beglei­tet. Dabei wur­de er pho­to­gra­phiert. Das Bild erschien im August 1935 im “Stür­mer” Nr. 34 mit der Über­schrift: “Rab­bi­ner und Kaplan! Nach­kom­men der Chris­tus­mör­der und Ver­kün­der des Evan­ge­li­ums in glei­cher Front”. Vor­aus­ge­gan­gen war ein Besuch des Kaplans bei Herrn Lang­städ­ter, der von “Hel­den der NS-Bewe­gung” blu­tig geschla­gen wor­den war. Er woll­te ihm sei­ne Anteil­nah­me bezeu­gen und ihn wis­sen las­sen, daß er die­se Bru­ta­li­tät ent­schie­den ver­ur­tei­le. In Ingel­heim hing die Stür­mer-Num­mer mit dem Foto lan­ge Zeit rot umrahmt im Schau­kas­ten. Kapl. Berg­mann wur­de auf der Stra­ße mehr­fach ange­pö­belt, etwa, wenn ein HJ-Jun­ge zum andern sag­te: “Grüß den Pfaff doch nicht mit “Heil Hit­ler”, der steht im Stür­mer” oder er auf den Gruß “Guten Abend” die Ant­wort “Heil Hit­ler, Pfaff” erhielt. Aber auch Zuspruch erhielt Berg­mann: “Sei­en Sie stolz dar­auf, um des Namens Jesu wil­len erdul­de ich Schmach (Apg 5,41). Es ist eine gro­ße Zeit und man schämt sich bei­na­he, noch nicht im Gefäng­nis zu sein.” Im Janu­ar 1936 wur­de Berg­mann tat­säch­lich wegen sei­ner Ver­eins­ar­beit vor­über­ge­hend fest­ge­nom­men und im Juni mit Unter­richts­ver­bot belegt.

Älte­re Gemein­de­mit­glie­der erin­nern sich, daß sie auf dem Weg zum Rochus­berg anläß­lich der jähr­li­chen Wall­fahrt ‘Spieß­ru­ten” lau­fen muß­ten durch ein Spa­lier Ingel­hei­mer Natio­nal­so­zia­lis­ten.

Ein ande­res Vor­komm­nis führ­te sogar zu einer Beschwer­de des Main­zer Bischofs Albert Stohr beim Reichs­statt­hal­ter in Hes­sen. Der Bischof war am 7.10.1935 zur Fir­mung nach Ober-Ingel­heim gekom­men. Zur Zeit des Abend­essens zog die HJ mit Marsch­mu­sik vor das Pfarr­haus und sang dem Bischof das Ständ­chen: “Es war ein Devi­sen­schie­ber, ein Pater und zwei Brü­der, eine Nonn war auch dabei”. Abends bei dem Got­tes­dienst zog die HJ mit gro­ßem Lärm neun mal um die Kir­che und brüll­te im Sprech­chor: “HJ führt fort die Revo­lu­ti­on gegen Klas­sen, Zwie­tracht und Kon­fes­si­on”, so laut daß sich der Pre­di­ger auf der Kan­zel anstren­gen muß­te, um gehört zu wer­den. Sie ver­such­ten sogar, in die Umfrie­dung der Kir­che ein­zu­drin­gen, wobei sie dem Küs­ter auf die Nase hie­ben. Eine Kopie des Brie­fes befin­det sich in den Pfarr­ak­ten. Er gip­felt in dem Satz: “Uns ist Gott etwas ande­res als Deutsch­land: und hoch über Deutsch­land”; und so sehr wir es bedau­ern, wenn es so kommt: man kann uns in die Lage brin­gen, daß wir sagen müs­sen: “Man muß Gott mehr gehor­chen, als den Men­schen”. Was die­se Erklä­rung an Jam­mer über unser Vater­land brin­gen wür­de, das fie­le nicht zurück auf unser Haupt, son­dern auf die­je­ni­gen, die mit dem Namen Got­tes und Jesu im Mun­de sich zu kämp­fen erdreis­ten gegen Gott und sei­nen Chris­tus (26.10.1935).

Am 5.10.1936 starb Pfar­rer Schä­fer, der die Pfar­rei 28 Jah­re, seit 1908 gelei­tet hat­te.

Am 1.5.1936 über­nahm Bern­hard Klep­per die Pfarr­ver­wal­tung von St. Micha­el. Am 1.12. wur­de er daselbst neu­er Pfar­rer. Kaplan Berg­mann war bereits am 1.5.1936 Pfar­rer in Mari­en­born gewor­den.

Älte­re Ober­ingel­hei­mer erin­nern sich an Pfr. Klep­pers Hilfs­be­reit­schaft am Ende des zwei­ten Welt­krie­ges. Als Geist­li­cher hat­te er in den ers­ten Besat­zungs­mo­na­ten mit Aus­gangs­be­schrän­kun­gen einen Pas­sier­schein für Nie­der- Ingel­heim und über­brach­te bei sei­nen Gän­gen von hier nach dort Nach­rich­ten. Auch erteil­te er wäh­rend der schul­lo­sen Zeit pri­va­ten Unter­richt.

Vor allem aber fal­len in sei­ne Zeit grö­ße­re Reno­vie­run­gen der Kir­che (1951 Innen­an­strich, Ent­fer­nung des Schall­de­ckels über Kan­zel, 1958 Reno­vie­rung des Hoch­al­tars in den ursprüng­li­chen Zustand, 1960 Restau­rie­rung des Pest­kreu­zes, 1964 Ent­fer­nung der Kan­zel, Anschaf­fung von vier neu­en Fens­tern mit Antik­glas im Kir­chen­schiff, neue schmie­de­ei­ser­ne Kom­mu­ni­on­bank), die Erwei­te­rung nach Wes­ten, die Ver­grö­ße­rung der Sakris­tei und der Turm­bau.

Schon vor dem ers­ten Welt­krieg war ein Kir­chen­bau­ver­ein zur Errich­tung eines Glo­cken­turms gegrün­det wor­den, jedoch mach­ten Krieg und Infla­ti­on den Plan zunich­te. Eine Neu­auf­la­ge des Ver­eins 1956 führ­te zum Ziel. Am 3. Mai 1964 fand die Dank­fei­er der Gemein­de für den voll­ende­ten Erwei­te­rungs- und Turm­bau statt. Am 28. Mai wur­den die vier für den Turm vor­ge­se­he­nen Glo­cken in der Glo­cken­gie­ße­rei F.W. Schil­ling, Hei­del­berg gegos­sen. Eine Ame­ri­ka­ni­sche Armee-Ein­heit brach­te die Glo­cken am 10. Juli nach Ober-Ingel­heim. Dom­ka­pi­tu­lar Dr. Ernst Stra­ßer weih­te die Glo­cken am 12. Juli und am 18. Juli 1964 läu­te­ten sie erst­mals den Sonn­tag ein. Die Ton­hö­he der Glo­cken mit ges’, as’, b’, und des” hat­te man auf die­je­ni­ge des Burg­kir­chen­ge­läu­tes mit b°, des’ und es’ abge­stimmt, damit gemein­sa­mes Läu­ten von Har­mo­nie getra­gen wird; Ein Zei­chen auch dafür, daß für die katho­li­sche und evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de das “mit­ein­an­der” und “für­ein­an­der” bestim­mend gewor­den ist.

In die Amts­zeit von Herrn Pfar­rer Klep­per fiel das Vati­ca­num Il (1962–1965). Es brach­te tief­grei­fen­de Ver­än­de­run­gen u.a. in Lit­ur­gie (Lan­des­spra­che, Viel­falt der Lesun­gen, Wen­dung zum Volk, Lai­en­lek­to­ren und Kom­mu­ni­on­hel­fer) und Mit­wir­kung der Lai­en an der Pas­to­ral (Räte vom Pfarr­ge­mein­de­rat bis zum Zen­tral­ko­mi­tee der Katho­li­ken). Im Jahr 1968 wur­de der ers­te Pfarr­ge­mein­de­rat gewählt, Fried­rich Eckes war ers­ter Vor­sit­zen­der. Pro­vi­so­risch wur­de ein Tisch im Chor­raum auf­ge­stellt, an dem Pfar­rer Klep­per die hei­li­ge Mes­se zum Volk gewandt fei­er­te. Und die Pfarr­mit­tei­lun­gen wur­den mit Zita­ten aus dem “Hol­län­di­schen Kate­chis­mus”, einem in der Kir­che noch umstrit­te­nen Glau­bens­buch, auf den Punkt gebracht.

Am 1. Sep­tem­ber 1969 trat Pfar­rer Klep­per nach 33-jäh­ri­ger Tätig­keit in Ober-Ingel­heim in den Ruhe­stand, in einem Fest­akt im Fri­d­jof-Nan­sen-Haus von Bis­tum, Stadt und Pfar­rei herz­lichst bedankt. Er zog vor­über­ge­hend ins All­gäu, kehr­te nach Ingel­heim zurück, ver­brach­te den Lebens­abend im Moni­ka­heim und starb am 22.11.1979. Er ist auf dem Kirch­hof neben dem Glo­cken­turm beer­digt.

Vom 1.9.1969 – 30.1.1972 war Hans-Joa­chim Berg Pfar­rer von St. Micha­el. Von 1971 – 1975 tag­te die Gemein­sa­me Syn­ode der Bis­tü­mer in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Pfr. Berg ließ am 25.10. 1970 den Lek­to­ren­dienst von Frau­en und Män­nern der Gemein­de auf­neh­men, an dem sich bis­her 27 Frau­en und 28 Män­ner betei­lig­ten.

Mit Wir­kung vom 15.4.1972 über­nahm Pfar­rer Rein­hard Geis­se St. Micha­el. Er führ­te den Dienst der Kom­mu­ni­on­hel­fe­rin, des -hel­fers ein. Erst­mals wur­den Jugend­li­che durch Lai­en auf die hl. Fir­mung vor­be­rei­tet, die Lai­en vom Pfar­rer hier­für geschult. Als Mit­glied des diö­ze­sa­nen Lit­ur­gie­aus­schus­ses führ­te Pfr. Geis­se die künf­tig zu sin­gen­den Lie­der bei uns ein, als das neue “Got­tes­lob” noch auf sich war­ten ließ. Bau­lich wur­de der Chor­raum lit­ur­gie­re­form­ge­recht umge­stal­tet: die Chor­flä­che zum Kir­chen­schiff hin vor­ge­zo­gen und so für den Altar­tisch Platz geschaf­fen. Die Kom­mu­ni­on­bank wur­de ent­fernt und ihre schmie­de­ei­ser­nen Stän­der als Stüt­zen für die mar­mor­ne Altar­tisch­plat­te ver­wen­det. Der neue Altar wur­de durch unse­ren Bischof Her­mann Card. Volk am 14.4.1973 ein­ge­weiht. Zwei wei­te­re Stän­der die­nen jetzt als Kon­so­len für die Pie­ta und den hl. Josef in den Wand­ni­schen.

Pfr. Geis­se initi­ier­te zusam­men mit Herrn Pfr. v. Putt­ka­mer (Burg­kir­che) das öku­me­ni­sche Auf­ein­an­der­zu­ge­hen mit einer Aus­spra­che der Räte von St.Michael und der Burg­kir­chen­ge­mein­de über die Tau­fe und setz­te es fort mit den Ökumenischen Som­mer­fes­ten ab 1974.

1974 wur­de auch Fräu­lein Maria Anna Dix, die 40 Jah­re lang bei St. Micha­el als Orga­nis­tin tätig gewe­sen war, fei­er­lich und mit bischöf­li­cher Dan­kes­ur­kun­de ver­ab­schie­det.

Am 8.11.1975 wur­de Lud­wig Lehr aus Ober-Ingel­heim im Main­zer Dom zum Dia­kon geweiht und nahm sei­nen Dienst an St. Micha­el und St. Remi­gius auf.

Die Repa­ra­tur der wert­vol­len Stumm – Orgel hat Pfar­rer Geis­se 1976 auf den Weg gebracht, wenn auch an ihrer Wie­der­in­be­trieb­nah­me nicht mehr teil­ge­nom­men, da er im Sep­tem­ber 1977 in die Pfar­rei St. Kili­an in Kost­heim wech­sel­te.

Am 1. Sept. 1977 über­nahm Pfar­rer Klaus Der­stroff die Lei­tung der Pfar­rei St. Micha­el, im Dezem­ber 1979 zusätz­lich die der Pfar­rei St. Remi­gius in Nie­der-Ingel­heim. Zu sei­ner Unter­stüt­zung kam zunächst der Pries­ter Cle­ment Ngi­rik­an­wa Obie­lu aus Nige­ria von 1979 bis 1983, also für vier Jah­re zu uns. Er pro­mo­vier­te sei­ner­zeit an der Uni­ver­si­tät Mainz in Theo­lo­gie. Er wur­de abge­löst von Kpl. Mar­tin Diep­gen (1983–1985), gefolgt von Kpl. Mar­tin Rohr­schür­mann (1985–1987), Kpl. Ger­hard Rufus Rühl (1987–1988) und Kpl. Josef Wor­lit­schek (1988–1989). Auch der neu geschaf­fe­ne Beruf der Gemein­de- und Pas­to­ral­re­fe­ren­ten bzw. -refe­ren­tin­nen wur­de zur Ent­las­tung ein­ge­setzt.

Ein groß­ar­ti­ges Erleb­nis war der gemein­sa­me, ver­reg­ne­te Pil­ger­weg der Pfar­rei am 16.11.1980 von Ober-Ingel­heim nach Mainz-Fin­then zur Papst­mes­se auf dem Flug­ha­fen­ge­län­de.

Pfr. Der­stroff setz­te die öku­me­ni­schen Bemü­hun­gen fort (Som­mer­fes­te) und erwei­ter­te sie durch gemein­sa­me Bibel­wo­chen, Andach­ten zur Advent- und Fas­ten­zeit und durch die Betei­li­gung an Vor­trags­zy­klen über St. Hil­de­gard (1979) Con­fes­sio Augusta­na (1980), Mar­tin Luther (1983) und Sebas­ti­an Müns­ter (1987), die stadt­wei­tes Inter­es­se fan­den und an deren Gelin­gen die ev. Pfar­rer Dr. Fel­l­ech­ner (Saal­kir­che), v. Putt­ka­mer (Burg­kir­che), Prof. Hil­be­rath (St. Micha­el), Rek­tor Henn, His­to­ri­scher Ver­ein und Dr. Becker (WBZ) beson­de­ren Anteil hat­ten.

Erheb­lich ange­wach­sen war inzwi­schen der Sanie­rungs-, Reno­vie­rungs- und Aus­bau­be­darf an den Gebäu­den der Pfar­rei, den zu behe­ben Pfar­rer Der­stroff tat­kräf­tig anging. Er wur­de dabei unter­stützt durch den Bau­trupp, unter Lei­tung der Ver­wal­tungs­rat-Obmän­ner Wal­ter Lau­hoff und Karl Hoch, durch Karl­f­red Wer­ner (Bau­auf­sicht), Josef Borr­mann (Sta­tik) und durch man­che ande­re mehr, sodaß vie­le Arbei­ten selbst aus­ge­führt wer­den konn­ten:
1980 Erneue­rung der Kir­chen­hei­zung; Neu­kon­struk­ti­on
1980–1981 Ver­bes­se­rung der Raum­ver­hält­nis­se im ehe­ma­li­gen Schwes­tern­haus; Reno­vie­rung der Pfarr­bü­che­rei; Her­rich­tung von Grup­pen­räu­men für die Pfarr­ju­gend.
1982 Reno­vie­rung der Außen­mau­ern des Kir­chen­grund­stü­ckes; Reno­vie­rung des gro­ßen Gemein­de­kreu­zes auf dem Fried­hof
1983 Erneue­rung der Blei­fas­sung der vier bunt­ver­glas­ten Fens­ter der Kir­che.
1984 Groß­re­pa­ra­tur des Dach­rei­ters auf der Kir­che.
1985–1988 Umbau des ehem. Kin­der­gar­ten­rau­mes in einen Pfarr­saal, nach erfolg­ter Ver­le­gung des Kin­der­gar­tens in das städ­ti­sche Gebäu­de Jus­tus-von-Lie­big-Stra­ße (ehe­ma­li­ge Land­wirt­schafts­schu­le). Voll­stän­di­ge Außen­re­no­vie­rung des Gebäu­des und des Hofes; damit Fer­tig­stel­lung des Pfarr­hei­mes St. Micha­el
1985 Ein­bau eines glä­ser­nen Wind­fangs in der Kir­che.
1991–1993 Gesamt­re­no­vie­rung der Kir­che St. Micha­el (Tro­cken­le­gung der Fun­da-men­te, Dach­über­ho­lung, Außen- und Innen­an­strich) mit einem Kos­ten­auf­wand von ins­ge­samt 472.470 DM. An den Kos­ten betei­lig­te sich die Diö­ze­se mit 75% der Kos­ten.

Bei der Innen­re­no­vie­rung muß­te lei­der fest­ge­stellt wer­den, daß das Pest­kreuz aus dem 14 Jahr­hun­dert völ­lig durch Holz­mehl­kä­fer aus­ge­höhlt war und in der Kir­che nicht mehr erhal­ten wer­den konn­te. Der Pfarr­ge­mein­de­rat und der Ver­wal­tungs­rat stimm­ten einer Dau­er­aus­lei­he des Wer­kes an das Diö­ze­san­mu­se­um zu. Die­ses ließ das Kreuz sichern und für St. Micha­el eine Kopie des Kreu­zes in bun­ter, “goti­scher”, ursprüng­li­cher Fas­sung anfer­ti­gen.

Die Mit­tel für die­se Bau­maß­nah­men wur­den zum erheb­li­chen Teil durch die Gemein­de auf­ge­bracht, aber auch von der Diö­ze­se bezu­schußt. Das somit geschaf­fe­ne Raum­pro­gramm ermög­lich­te eine wei­te­re Ent­fal­tung der zahl­rei­chen Krei­se und Grup­pen der Pfar­rei, wie Pfarr­ge­mein­de­rat und sei­ne Aus­schüs­se für Cari­tas, Sozia­les, Senio­ren, Erwach­se­nen­bil­dung, Besuchs­dienst, Öku­me­ne; wie Jugend­treffs und Minis­tran­ten­stun­den, Frau­en­grup­pe und Kir­chen­chor, und selbst eines öku­me­ni­schen Krab­bel­krei­ses. Für die Vor­be­rei­tung der Kin­der bzw. Jugend­li­chen auf die 1. hl. Kom­mu­ni­on und die Fir­mung ist Platz; in der Büche­rei wer­den nicht nur Bücher ent­lie­hen; dank Frau Bür­ger wird auch vor­ge­le­sen.

Erfreu­lich stimmt in die­sem Zusam­men­hang, daß der bereits seit 1919 bestehen­de Pfarr­kin­der­gar­ten nicht, wie 1983 zunächst vom bischöf­li­chen Ordi­na­ri­at ver­langt, wegen zu gerin­ger Grö­ße und Unwirt­schaft­lich­keit geschlos­sen wur­de, son­dern in ein von der Stadt zu Ver­fü­gung gestell­tes Gebäu­de (ehem. Land­wirt­schafts­schu­le) ver­legt und auf eine ren­ta­ble Grö­ße gebracht wer­den konn­te. Inzwi­schen wur­de der Kin­der­gar­ten sogar durch eine Kin­der­krip­pe ergänzt, ein Bei­trag zur Glaub­wür­dig­keit der Kir­che und ihrem Ein­satz für das Leben.

Am 17. Juli 1993 ver­ab­schie­de­te sich die Pfarr­ge­mein­de St. Micha­el in einem Dank­got­tes­dienst und einer anschlie­ßen­den Fei­er von Pfar­rer Der­stroff, auf der Ober­bür­ger­meis­ter Vey für die Stadt, Pfar­rer Koele­wi­jn für die Burg­kir­che, für den Dekan Pfr. Jung, Frau Vogels­ber­ger für den Pfarr­ge­mein­de­rat, Herr Hoch für den Ver­wal­tungs­rat und ande­re mehr für die lang­jäh­ri­ge, segens­rei­cher ver­trau­ens­vol­le und ange­neh­me Zusam­men­ar­beit dank­ten. Der Kir­chen­chor brach­te noch ein Abschieds­ständ­chen.

Mit dem 1. Sep­tem­ber 1993 über­nahm Herr Kaplan Bernd Weck­werth die seel­sor­ge­ri­sche Betreu­ung der Pfar­rei­en St.Michael und St. Remi­gius wahr, seit dem Früh­jahr 1994 ist er Pfar­rer unse­rer Gemein­de.

Der im Jah­re 1973 geweih­te “Volks­al­tar” wur­de durch einen neu­en am 22. Novem­ber 1997 durch Dom­ka­pi­tu­lar Ernst Kalb geweih­ten und kirsch­holz­far­be­nen Volks­al­tar ersetzt, die Pla­nungs­ar­bei­ten erstell­te Alois Plum, die Arbei­ten wur­den von der Schrei­ne­rei F. L. Dietz, eben­falls Mainz, durch­ge­führt.

Die Kirche “St. Michael” Ober-Ingelheim

von Peter Schi­cke

Die Sankt Micha­els­kir­che ist ein Saal­bau mit recht­ecki­gem, 15x30 m mes­sen­dem Grund­riß. Der Chor­raum ist etwas schma­ler als das Schiff und endet nach einem Chor­recht­eck mit einem 3/6 Schluß. An die Nord­sei­te des Cho­res schließt die Sakris­tei an. Das Kir­chen­schiff wur­de 1963/64 nach Wes­ten erwei­tert. Der ver­putz­te Bruch­stein­bau glie­dert sich außen in Sockel­zo­ne, rauh ver­putz­te, durch Pilas­ter unter­teil­te Lang­haus­wän­de und das Dach­ge­sims. In die Lang­haus­wän­de sind je drei, in die Chor­süd­wand ein und in den 3/6 Chor­schluß zwei Rund­bo­gen­fens­ter ein­ge­schnit­ten. Den mitt­le­ren Teil des 3/6 Chor­schlus­ses ziert ein Oku­lum. In die Süd­sei­te des Cho­res ist auch der Grund­stein ein­ge­fügt.

Ein hohes, schie­fer­ge­deck­tes Sat­tel­dach schirmt die Kir­che. Über dem Chor läuft es als Walm­dach aus. Acht klei­ne Dach­gau­ben bele­ben die Dach­flä­chen. Ein beschei­de­ner, sechs­ecki­ger Dach­rei­ter in 3/4 der Kirch­län­ge nach Wes­ten hin, an Zis­ter­zi­en­ser­kir­chen erin­nernd, ziert mit sei­ner baro­cken Hau­be und den läng­li­chen Schall­fens­tern das Gebäu­de und erin­nert an die Zeit, als hier oben von 1775–1964 zwei Glöck­lein geläu­tet wur­den.

Heu­te hän­gen vier gro­ße Glo­cken in dem süd­lich der Kir­che ste­hen­den Cam­pa­ni­le von 1964. Sie sind wie folgt zu beschrei­ben:

Glo­cke 1 Ton­hö­he: ges ’
Gewicht: 831 kg
Durch­mes­ser: 109 cm
Inschrift: In hono­rem Sanc­tis­si­mae Tri­ni­ta­tis!
Ut omnes unum sint!
(Zu Ehren der Aller­hei­ligs­ten Drei­fal­tig­keit!
Daß alle eins sei­en!)
Glo­cke 2 Ton­hö­he: as’
Gewicht: 586 kg
Durch­mes­ser: 97 cm
Inschrift: In hono­rem bea­tis­si­mae Vir­gi­nis Mariae et orn­ni­um Angelo­rum et omni­um Sanc­torum!
Cre­do in com­mu­nio­nem Sanc­torum!
(Zu Ehren der seligs­ten Jung­frau Maria und aler Engel und aller Hei­li­gen!
Ich glau­be an die Gemein­schaft der Hei­li­gen!)
Glo­cke 3 Ton­hö­he: b’
Gewicht: 502 kg
Durch­mes­ser: 92 cm
Inschrift: In hono­rem Sanc­ti Arch­an­ge­li Michae­lis, patro­ni hui­us eccle­siae!
Defen­de nos in pro­elio!
(Zu Ehren des hei­li­gen Erz­engels Michael,des Patrons die­ser Kir­che!
Steh uns bei im Kampf!)
Glo­cke 4 Ton­hö­he: des
Gewicht: 279 kg
Durch­mes­ser: 76 cm
Inschrift: In hono­rem Sanc­ti Joseph! Ite ad Joseph!
(Zu Ehren des hei­li­gen Joseph ! Gehet zu Joseph!)

Die Ton­hö­he der Glo­cken wur­de auf die­je­ni­ge des Geläu­tes der Burg­kir­che abge­stimmt, die die Töne b°, des’, es’ anschla­gen. Die Har­mo­nie beim gemein­sa­men Läu­ten bei­der Kir­chen steht sym­bo­lisch für das Mit­ein­an­der und Für­ein­an­der bei­der Gemein­den.

Vom Neu­weg her­kom­mend steigt man über 11 Trep­pen­stu­fen auf einen schma­len Podest und auf die gera­de auf­stei­gen­de, neue West­fas­sa­de zu. In die­se wur­de das alte Sand­stein­por­tal in schö­ner, kla­rer, schlich­ter Barock­form ein­ge­las­sen.

Rechts davon schmückt ein Mosa­ik­bild des Kir­chen­pa­trons, des hl. Micha­el nach einem Ent­wurf des Ingel­hei­mer Künst­lers Man­fred Wer­mann die neue Fas­sa­de. Ein zwei­ter Ein­gang befin­det sich am west­li­chen Ende der Süd­sei­te gegen­über dem neu­en Glo­cken­turm, mit dem er durch ein Dach ver­bun­den ist.

Beim Ein­tritt in die Kir­che emp­fängt uns zunächst gedämpf­tes Licht, das durch die Glas­wa­ben­fens­ter des Erwei­te­rungs­bau­es ein­fällt. Zwei Rund­pfei­ler tra­gen die nied­ri­ge Orgel­em­po­re. Eine ver­putz­te Flach­de­cke schließt den Kir­chen­raum nach oben ab. Der Chor ist ein­ge­wölbt. Erst wenn man unter der Empo­re her­vor­tritt, wird der Blick durch den von zwei Wand­pfei­lern getra­ge­nen Tri­umph­bo­gen frei auf den groß­ar­ti­gen, vom Main­zer Schrei­ner­meis­ter Joseph Wolf­gang Wieß in Lin­den­holz gear­bei­te­ten Hoch­al­tar.

Zen­tra­ler Blick­fang des Altars ist die lebens­gro­ße Kreu­zi­gungs­grup­pe des Bild­hau­ers Anto­ni­us Merz aus Mainz mit Chris­tus, Maria und Johan­nes. Sie wer­den links und rechts flan­kiert von den Apos­tel­fürs­ten Petrus und Pau­lus. Dar­über thront in der Glo­rio­le eines Wol­ken­kran­zes über einem Seg­ment­bo­gen, an den Regen­bo­gen als Sym­bol für den Frie­den erin­nernd, die Hl. Drei­fal­tig­keit, hin­ter der das war­me Licht des ova­len Fens­ters mit dem sym­bol­haf­ten “Auge Got­tes” im Drei­eck auf­strahlt. Das gan­ze ist in einen drei­tei­li­gen Auf­bau ein­ge­fügt: Auf ein geschlos­se­nes Sockel­ge­schoß mit Durch­gän­gen in den Sei­ten baut ein hohes Mit­tel­ge­schoß aus Säu­len auf, das von einem stark ver­kröpf­ten Gebälk abge­schlos­sen wird. Zwi­schen die jeweils zu zweit hin­ter­ein­an­der gestaf­fel­ten, korin­thi­schen Säu­len sind lebens­gro­ße Figu­ren gestellt. Die Basen und Kapi­tel­le der Säu­len sowie eine unter die­ser ver­lau­fen­de Quer­leis­te sind in Gold gefaßt und beto­nen dadurch die sehr kunst­fer­ti­ge Aus­füh­rung des Altars. Das Mit­tel­feld wird durch einen Flach­bo­gen abge­schlos­sen, an dem eine Roko­ko­kar­tu­sche mit dem Wap­pen derer von Nagel, des Stif­ters der Fas­sung, und Jah­res­zahl 1755 (Jahr der Altar­fas­sung) ange­bracht ist. Ein geraff­ter Vor­hang klei­det die Rän­der der Mit­tel­ni­sche aus. Der das Ober­licht rah­men­de Auf­satz wird eben­falls durch Flach­bo­gen und ver­kröpf­tes Gebälk abge­schlos­sen. Außen auf den Gebälk­ver­kröp­fun­gen kni­en rechts und links von der Hl. Drei­fal­tig­keit zwei Engel.

Auf dem ins Kir­chen­schiff vor­ge­zo­ge­nen Altar­raum steht der am 22. Novem­ber 1997 durch Dom­ka­pi­tu­lar Ernst Kalb geweih­te und kirsch­holz­far­be­nen Volks­al­tar. Die Pla­nung erstell­te Alois Plum, die Arbei­ten wur­den von der Schrei­ne­rei F. L. Dietz, eben­falls Mainz, durch­ge­führt.

Das Inne­re der Kir­che strahlt in den für den baro­cken Stil typi­schen hel­len Far­ben, Ergeb­nis der von dem Diö­ze­san­kon­ser­va­tor Dr. Haus-Jür­gen Kot­zur betreu­ten Reno­vie­rung der Kir­che in den Jah­ren 1991–1993.

An der Stirn­sei­te des Kir­chen­schif­fes befin­den sich rechts und links je ein ein­fa­cher aber schmuck­vol­ler Barock­al­tar, Nuß­baum fur­niert, aus der Zeit um 1730 zur Ehre der Got­tes­mut­ter und des Kir­chen­pa­trons. Auf der rech­ten Sei­te vor dem Micha­el­sal­tar steht das aus der St. Wig­berts­kir­che (heu­te Burg­kir­che) stam­men­de Tauf­be­cken. An der Nord­wand hängt eine Kopie eines goti­schen Pest­kreu­zes aus der Zeit um 1320 in zeit­ge­nös­si­scher Fas­sung. Im Brust­korb des Ori­gi­nals, das sich im Diö­ze­san­mu­se­um in Mainz befin­det, war eine qua­dra­ti­sche Aus­neh­mung ange­bracht zur Auf­nah­me eines Kreuz­par­ti­kels. Es ist dem soge­nann­ten Ungarn­kreuz in der Lieb­frau­en­kir­che in Ander­nach, dem Kreuz in St. Maria im Kapi­tol in Köln und dem Kreuz in St. Georg in Köln ver­wandt. Chris­tus ist dar­ge­stellt als der geschun­de­ne, vom Tod gezeich­ne­te Schmer­zens­mann. Im Elend der Pest­zei­ten fan­den die Men­schen Trost bei der Betrach­tung der Lei­den des Hei­lands.

In den Nischen der Sei­ten­wän­de sind eine Pie­ta, die Schmerz­haf­te Mut­ter Got­tes (Sig­ma­rin­gen) und ein hl. Josef mit Jesus­kind auf­ge­stellt, bei­de stam­men aus der Zeit um 1720. Aus der Barock­zeit stammt auch die Figur des hl. Sebas­ti­an auf einem Podest an der Süd­sei­te. Die Figur des hl. Johan­nes des Täu­fers eben­da wur­de vom Bild­hau­er Otto Kirsch in Gabs­heim aus dem Holz der für den Erwei­te­rungs­bau wei­chen­den Lin­den geschnitzt, des­glei­chen der im Jahr 1966 gestif­te­te Kreuz­weg, der von Eva Lin­den gefaßt wor­den ist. Auf dem lin­ken Beicht­stuhl im Ver­län­ge­rungs­bau steht der hl. Nepo­muk als Patron der Beicht­vä­ter. Fer­ner fin­den wir in den Fens­ter­ni­schen des neu­en Teils Figu­ren von St. Fran­zis­kus und St. Anto­ni­us von Padua, bei­de aus Ton und eben­falls barock.

Die Balus­tra­de der Orgel­em­po­re und die sie tra­gen­den Säu­len sind mar­mo­riert gestri­chen, um sie dem baro­cken Stil der Kir­che anzu­pas­sen. Schmuck­stück der Kir­che ist die Orgel aus der Werk­statt der Gebrü­der Stumm aus dem Jah­re 1758. Die ele­gan­te Vor­der­front aus Eichen­holz mit ver­gol­de­tem Schnitz­werk hebt sich sehr vor­teil­haft vom hell gestri­che­nen Hin­ter­grund ab.

Auf dem ehe­ma­li­gen, 1862 geschlos­se­nen Kirch­hof befin­den sich noch die Grab­stät­ten der Pfar­rer Schä­fer (1919–1936) und Klep­per (1936–1969) und Grab­stei­ne aus frü­he­ren Zei­ten. Auf der Nord­sei­te der Kir­che wur­den die zwei aus dem Zis­ter­zi­en­ser­klos­ter Engel­thal stam­men­den Säu­len mit Bogen auf­ge­stellt, die vor der Kir­chen­er­wei­te­rung ein­mal die Orgel­em­po­re getra­gen hat­ten. Sie tra­gen die Jah­res­zah­len der Klos­ter­auf­he­bung 1573 und der Fer­tig­stel­lung der Orgel­em­po­re 1753. Als Sinn­bild der Him­mels­pfor­te steht im Säu­len­bo­gen auf einem Sockel die Sta­tue des guten Hir­ten. Sie zier­te vor der Erwei­te­rung die Fas­sa­de der Kir­che.

 

Geschichte der Orgel

von Joa­chim Mül­ler

Bald nach dem Bau der Kir­che (Bau­be­ginn 1721) dach­te die Gemein­de an die Anschaf­fung einer Orgel. 1753 wur­de die Empo­re ein­ge­baut und fünf Jah­re spä­ter (1758) wur­de die Orgel aus der Werk­statt der Gebrü­der Johann Phil­ipp und Johann Hein­rich Stumm aus Rhau­nen-Sulz­bach im Huns­rück auf­ge­stellt. Die­se Orgel­bau­er­fa­mi­lie hat sich über sechs Genera­tio­nen von etwa 1700 bis ins 19. Jahr­hun­dert durch soli­des hand­werk­li­ches und künst­le­ri­sches Kön­nen einen berühm­ten Namen geschaf­fen. Genannt sei­en in der nähe­ren Umge­bung das Orgel­werk der benach­bar­ten Burg­kir­che von 1755 (lei­der ist nur das Gehäu­se­ober­teil ori­gi­nal erhal­ten), die Orgeln in Ocken­heim, Dromers­heim, Bech­tols­heim, Gei­sen­heim (Rhein­gau) und Mainz (St. Ignaz und Augus­ti­ner­kir­che). Die berühm­tes­te Orgel steht in Amor­bach (Oden­wald) in der Abtei­kir­che.

Die Orgel in Ober-Ingel­heim St. Micha­el ist ein klei­nes ein­ma­nu­a­li­ges Werk mit zwölf Regis­tern, die in ihren Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­kei­ten jedoch alle wich­ti­gen Klang­far­ben brin­gen, die ein baro­ckes Klang­bild braucht. Das Gehäu­se ist sehr soli­de in Eichen­holz gear­bei­tet und in drei Rund­tür­me und zwei Har­fen­fel­der geglie­dert. Ver­gol­de­te Schnitz­wer­ke run­den die sehr ele­gant wir­ken­de Vor­der­front ab.

Ein­schnei­den­de Ver­än­de­run­gen erfuhr das Werk 1905 (wahr­schein­lich im Zuge der Elek­tri­fi­zie­rung) durch Ver­än­de­rung der Regis­ter und Umbau des Spiel­ti­sches an die Sei­te. Im Jah­re 1976 war durch die Abnut­zung des Schleif­la­dens das Werk undicht gewor­den, so daß eine umfas­sen­de Reno­vie­rung auch im Sin­ne einer his­to­ri­schen Rekon­struk­ti­on unum­gäng­lich war (das Trom­pe­ten­re­gis­ter exis­tier­te über­haupt nicht mehr, und das Prin­zi­pal­re­gis­ter war nur noch zur Hälf­te vor­han­den). Dank der Zuschüs­se des Lan­des­am­tes für Denk­mal­pfle­ge in Mainz, der Stadt Ingel­heim und der Fir­ma C.H.Boehringer Sohn, sowie der gro­ßen Opfer­be­reit­schaft der Gemein­de­mit­glie­der von St. Micha­el und des uner­müd­li­chen Ein­sat­zes von Pfar­rer Geis­se konn­te 1976 der Orgel­bau­fir­ma Gebrü­der Ober­lin­ger in Win­des­heim die Restau­ra­ti­on über­tra­gen wer­den. Am 4. Juni 1978 spiel­te Prof. Peter A. Stadt­mül­ler zur Ein­wei­hung Wer­ke von Bach, Haydn und Pachel­bel und führ­te dabei die wie­der­ge­won­ne­nen klang­li­chen Mög­lich­kei­ten des rekon­stru­ier­ten Instru­men­tes vor.

Im Jah­re 1997 erfolg­te eine Gene­ral­über­ho­lung durch die Meis­ter­werk­stät­te Rai­ner Mül­ler (Odernheim/Glan), zahl­rei­che Pfei­fen wur­den dabei aus­ge­tauscht oder repa­riert, das Klang­bild har­mo­ni­siert.

 

Kirchenmusik an Sankt Michael in Ober-Ingelheim

Aus der Geschich­te des Kir­chen­cho­res
von Peter Schi­cke und Wil­helm A. Schön­herr

Im Pro­to­koll­buch ist als Grün­dungs­tag des Katho­li­schen Kir­chen­cho­res “Cäci­lia” der Pfarr­ge­mein­de St. Micha­el in Ober-Ingel­heim der 16. Novem­ber 1919 ver­merkt. Kir­chen­mu­sik gab es natür­lich schon frü­her. So ist für 1706, also unmit­tel­bar nach Ein­füh­rung der Reli­gi­ons­frei­heit für Kur­pfalz, belegt, daß der Schul­meis­ter Cho­ral sang und 1749 wird der Schul­meis­ter Johann Petrus Müßig (1743–1768) als Chor­sän­ger (Orgel­schla­gen) erwähnt.

In vie­len katho­li­schen Gemein­den Rhein­hes­sens hat schon im 19. Jahr­hun­dert ein Kir­chen­ge­sang­ver­ein bestan­den, der an allen Fest­ta­gen den Got­tes­dienst mit sei­nen Gesän­gen gestal­te­te. Uns ist die Orts­chro­nik von Pfar­rer Joh. Jos. Kin­kel (1863–1867) über­kom­men, nach der der Leh­rer Franz Knab, von 1827 bis 1874 Leh­rer an der kath. Schu­le in Ober-Ingel­heim und seit 3.10.1833 Orga­nist an St. Micha­el, im Juni 1864 einen Kir­chen­ge­sang­ver­ein grün­de­te, dem Jugend­li­che und Män­ner zwi­schen acht und dreis­sig Jah­ren ange­hör­ten; älte­re Män­ner woll­ten nicht zusam­men mit den Jün­ge­ren sin­gen. Der Grün­dung war im sel­ben Jahr das Sin­gen einer “Latei­ni­schen Mis­sa” vor­aus­ge­gan­gen, für die die Par­ti­tur der Solo­stim­men, Sopra­no, Alto, Teno­re und Bas­so aus­ge­wie­sen ist.

Die­ser Ver­ein beschäf­tig­te sich mit der Ein­übung kirch­li­cher und welt­li­cher Lie­der; Letz­te­res, um für jun­ge Leu­te eine gewis­se Anzie­hungs­kraft aus­zu­üben. Dar­über­hin­aus soll­te der Ver­ein kul­tu­rel­ler Wider­part gegen “Zeit­geist” und “bewaff­ne­te Macht der Revo­lu­ti­on” sein, die in den um die Jahr­hun­dert­mit­te auf­ge­kom­me­nen Schüt­zen-, Fechtund Turn­ver­ei­nen gese­hen wur­de, so die Chro­nik.

Der Kir­chen­ge­sang­ver­ein ließ sich erst­mals am Weih­nachts­fest 1864 in der Kir­che hören (..“wenn auch ein­fach, so doch gut”), und sang am Palm­sonn­tag 1865 und 1866 die Pas­si­on. Für 1865 sind auch Miet­zah­lun­gen für die Chor­pro­ben in der Schu­le belegt. Aus der Chro­nik­be­mer­kung “zum ers­ten Mal wie­der nach einem Vier­tel­jahr­hun­dert” dür­fen wir schlie­ßen, daß schon um 1840 Gesang den Got­tes­dienst ver­schon­te, wenn­gleich frag­lich ist, ob die­ser durch einen Chor oder eini­ge Kan­to­ren dar­ge­bo­ten wur­de. Letz­te­res wäre nicht von der Hand zu wei­sen, da auf der Abrech­nung von Meß­sti­pen­di­en um 1858 der Ein­satz bezahl­ter Sän­ger belegt wird. Am 1.2.1877 starb der ver­dienst­vol­le Leh­rer Franz Knab, der 47 Jah­re hin­durch mit gro­ßer Treue sei­nes Amtes gewar­tet hat­te.

Vom Kir­chen­ge­sang­ver­ein ist nun auch nichts mehr in der Chro­nik zu lesen, und 1888 heißt es, daß er längst auf­ge­löst ist und der kirch­li­che Gesang man­gels beson­de­rer Ein­übung viel zu wün­schen übrig läßt.

Am 19.4.1896 kam es zu einer Neu­grün­dung eines Gesang­ver­eins “Cäci­lia” als Zweig­ver­ein des katho­li­schen Män­ner­ver­eins “Con­stan­tia” im Saa­le von Gast­wirt Fauth (Ham­mer­gas­se), dem nur Her­ren ange­hör­ten. Chor­lei­ter die­ser Gesangs­ver­ei­ni­gung waren: Leh­rer Görtz aus Groß-Win­tern­heim und Leh­rer Bei­chert aus Ober-Ingel­heim .

Die­ser neue Gesang­ver­ein muß wohl schon vor der offi­zi­el­len Grün­dung bestan­den haben, denn, so lesen wir in den Anna­len von 1896, “der Kir­chen­chor hat­te es bei fleis­si­ger Ein­übung dahin gebracht, daß er Oster­sonn­tag sowie am Wei­ßen Sonn­tag mehe­re Thei­le aus der “Mis­sa von Piel” schön zur Vor­füh­rung brin­gen konn­te”.

Zur Freu­de des im Jah­re 1919 amtie­ren­den Pfar­rers Job. Bap­tist Schä­fer, schlos­sen sich nach Ende des ers­ten Welt­krie­ges san­ges­freu­di­ge Frau­en und Män­ner zusam­men in der Absicht, den mehr­stim­mi­gen Kir­chen­ge­sang zu pfle­gen. Dies führ­te am 16 Novem­ber 1919 zur Grün­dung des katho­li­schen Kir­chen­cho­res “Cäci­lia”. Ers­ter Chor­lei­ter wur­de Leh­rer Hein­rich Nahm. Zu die­ser Grün­dungs­ver­samm­lung kamen 68 Per­so­nen zusam­men. Die Sta­tu­ten, die sich der Ver­ein nach ein­ge­hen­der Bera­tung gab und die vie­le Ge- und Ver­bo­te ent­hiel­ten, wur­den am 18. Janu­ar 1920 geneh­migt. U.a. muß­ten die Chor­mit­glie­der damals den Chor­lei­ter selbst ent­loh­nen.

Der Chor blüh­te in kur­zer Zeit auf und ent­wi­ckel­te sich zu einem reprä­sen­ta­ti­ven Fak­tor in der Kir­chen­ge­mein­de. Die Mit­glie­der­stär­ke betrug am 17.3.1920 etwa 143 Per­so­nen. Der Chor trat bald dar­auf mit eini­gen Cho­rä­len zur Ver­schö­ne­rung der Fei­er des Got­tes­diens­tes an die Öffent­lich­keit. Außer­dem wur­de am 8. Febru­ar 1920 erst­mals ein Thea­ter­abend mit Chor­ge­sän­gen und Tanz­ein­la­gen gege­ben. Es war auch in jedem Jahr ein Ver­eins­aus­flug vor­ge­se­hen.

Lei­der war, wie die Grün­dun­gen des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts, auch die­se, mit viel Enthu­si­as­mus unter­nom­me­ne, von kur­zer Dau­er.

Schon nach den ers­ten Höhe­punk­ten wur­den die Streb­sam­keit und der Eifer der­art gestört, daß bereits im April 1921 zwi­schen einem gro­ßen Teil des Cho­res und dem Diri­gen­ten Span­nun­gen ent­stan­den. Dadurch kam es zu einem Diri­gen­ten­wech­sel. Die musi­ka­li­sche Lei­tung über­nahm der Leh­rer Fried­rich Jos. Gro­he, der die­se am 13.April 1923 eben­falls nie­der­leg­te.

Aus­trit­te vie­ler inak­ti­ver Mit­glie­der, mit deren Bei­trä­gen ja u.a. die Chor­lei­ter ent­lohnt wur­den, und die gal­lop­pie­ren­de Infla­ti­on, zwan­gen den Chor, sei­ne Tätig­keit ein­zu­stel­len. So soll­te im Juni 1923 eine Chor­stun­de 2300 Mark oder der Jah­res­lohn 6 Ztn. Frucht kos­ten. Am Schluß der letz­ten Gene­ral­ver­samm­lung vom 25. Juli 1923 bat Herr Pfar­rer Schä­fer mit drin­gen­den Wor­ten, daß alle Mit­glie­der mit Ruhe und Beson­nen­heit die wei­te­re Ent­wick­lung abwar­ten soll­ten. Und man war­te­te ab bis zum Jahr 1933.

Im Jah­re 1933 über­nahm Herr Max Rei­mann, Musik­leh­rer an der Ingel­hei­mer Real­schu­le (1928–1934), neben sei­ner Orga­nis­ten­tä­tig­keit die Lei­tung des Cho­res. Es fan­den sich zuerst meh­re­re san­ges­freu­di­ge Frau­en aus der Jung­frau­en­kon­gre­ga­ti­on zusam­men und grün­de­ten erneut den Chor. Mit die­ser Lösung gab man sich nicht zufrie­den. Ein Jahr spä­ter wur­den Her­ren in den Chor auf­ge­nom­men und nach kur­zer Zeit hat­te er einen Mit­glie­der­stand von 21 Frau­en und 9 Män­nern erreicht. Max Rei­mann wur­de 1934 vor die Wahl gestellt, sich zwi­schen sei­nem Haupt­be­ruf Leh­rer und der Neben­tä­tig­keit in der Kir­che zu ent­schei­den und gab dar­auf­hin die Neben­tä­tig­keit auf. Fräu­lein Anna Dix wur­de Orga­nis­tin und der kaufm. Ange­stell­te Wil­helm Mül­ler Chor­lei­ter.

Der Chor ist bis zum heu­ti­gen Tage eine zwang­lo­se Ver­ei­ni­gung, also ohne Ver­eins­vor­stand und Sta­tu­ten. Der jewei­li­ge Diri­gent wird von der Pfar­rei ent­lohnt und von Freun­den des Cho­res unter­stützt. In den drei­ßi­ger Jah­ren wur­de ger­ne gesun­gen und man war mit Idea­lis­mus bei der Sache. Im Mai 1933 wirk­te der Frau­en­chor bei einer kir­chen­mu­si­ka­li­schen Andacht inner­halb des Kemp­ter Kir­chen­cho­res mit, des­sen Chor­lei­ter Herr Rei­mann eben­falls war.

Trotz der poli­ti­schen Ent­wick­lung in unse­rem Vater­land und den Kriegs­er­eig­nis­sen des Zwei­ten Welt­krie­ges konn­te die Arbeit des Cho­res durch die wach­sen­de Akti­vi­tät der Frau­en wei­ter­ge­führt wer­den. Als Diri­gen­ten folg­ten auf Herrn Wil­helm Mül­ler (1934–1936) Herr Wil­helm Phil. Schwarz (1936–1940), Musik­di­rek­tor Johann Dei­chel­mann (1940–1947), Musik- und Gesangs­leh­rer Karl Jak. Sie­ben (1947–1949), Musik­stu­dent Hans Gap­pe­n­ach (1949–1953), Rek­tor Gün­ter Bun­gert (1953–1984) und ab 1984 Ober­stu­di­en­rat Joa­chim Mül­ler.

Der Chor mach­te in den Nach­kriegs­jah­ren gute Fort­schrit­te und stell­te sein Kön­nen wie­der­holt unter Beweis. So ver­an­stal­te­te der Chor unter der Füh­rung des Chor­lei­ters Hans Gap­pe­n­ach im April 1950 ein Volks­lie­der­sin­gen mit dem bis zum Jah­re 1957 bestehen­den Kin­der­chor.

Im Juni 1950 folg­te eine kir­chen­mu­si­ka­li­sche Andacht “Geist­li­che Musik des 16. und 17. Jahr­hun­derts” u.a. mit Wer­ken von Pale­stri­na, Nani­no, Schütz, Tele­mann, Hän­del und Bach. Schon im Juli 1950 folg­te eine musi­ka­li­sche Fei­er­stun­de zum Geden­ken an den 200. Todes­tag von Joh. Seb. Bach mit meh­re­ren Cho­rä­len. 1951 kam in einem Pri­miz­hoch­amt (Gerh. Schön­herr) eine “Mis­sa bre­vis” von W.A. Mozart zur Auf­füh­rung.

Ab 1953, Herr Bun­gert hat­te die Chor­lei­tung über­nom­men, fin­den wir in den Auf­zeich­nun­gen neben Chor­al­mes­sen u.a. Wer­ke von J.S. Bach, H. Schütz, J. Pachel­bel, G.F. Hän­del, Orlan­do di Las­so (Mis­sa quin­ti toni), Bruck­ner (Tan­tum Ergo), Aichin­ger (Fac­tus est repen­te), Hass­ler (Mis­sa secun­da). Sogar eine Kom­po­si­ti­on des Chor­lei­ters G. Bun­gert kam zur Urauf­füh­rung (Intro­itus nach Psalm 102). 1969 fei­er­te der Kir­chen­chor sein fünf­zig­jäh­ri­ges Bestehen. Bemer­kens­wert ist die erst­mals prak­ti­zier­te öku­me­ni­sche Gemein­sam­keit aus die­sem Anlaß, fand doch das geist­li­che Kon­zert unter Mit­wir­kung des evan­ge­li­schen Kir­chen­cho­res und der kath. Kir­chen­chö­re Bin­gen-Kemp­ten und Bin­gen-Büdes­heim in der Burg­kir­che statt, wobei der Orga­nist der Burg­kir­che die Orgel schlug.

Zu erwäh­nen sind auch die jähr­li­chen Aus­flü­ge des Cho­res in die nähe­re Umge­bung, ver­bun­den mit Chor­ge­sang in den Gast­kir­chen, Besich­ti­gun­gen und fro­her Ein­kehr.

Lei­der schie­den im Lau­fe der Zeit Chor­mit­glie­der wegen Alters oder beruf­li­cher Ver­än­de­rung aus, ohne daß der Ver­lust ersetzt wer­den konn­te. 1971 sah sich der Pfarr­ge­mein­de­rat ver­an­laßt, die Gemein­de zur Mit­ar­beit im Chor auf­zu­ru­fen, lei­der mit wenig Erfolg.

Im Mai 1974 tra­fen sich im Rah­men der “Inter­na­tio­na­len Tage von Ingel­heim” 150 Sän­ge­rin­nen und Sän­ger aus Ingel­heim, Gau-Alges­heim, Groß-Win­tern­heim und Els­heim zum Regio­nal­sin­gen in St. Micha­el. Ab 1975 wird in Ober-Ingel­heim das öku­me­ni­sche Som­mer­fest gefei­ert, bei dem die Kichen­chö­re von Burg­kir­che und St. Micha­els­kir­che gemischt auf­tre­ten, im Eröff­nungs­got­tes­dienst und manch­mal auch auf dem Fest­platz. Auch bei öku­me­ni­schen Andach­ten in Advents- und Fas­ten­zeit sin­gen bei­de Chö­re gemein­sam.

Ab 1976 fei­ern die Ingel­hei­mer Pfar­rei­en das Fron­leich­nams­fest abwech­selnd in einer der vier Pfarr­kir­chen, wobei die Chö­re der ein­zel­nen Pfar­rei­en gemein­sam auf­tre­ten. 1977 san­gen nur noch 5 Damen im Sopran, vier im Alt, drei Her­ren im Bass und einer im Tenor; so daß, wie es in der Chro­nik heißt, um das Wei­ter­be­stehen des Cho­res gefürch­tet wer­den muß­te.

Am 23. April 1978 fei­er­te der Chor das 25-jäh­ri­ge Dienst­ju­bi­lä­um von Herrn Rek­tor Gün­ter Bun­gert mit einem Fest­amt, zele­briert vom Diö­ze­san­prä­ses der Kir­chen­chö­re Hans Niklaus.

1982 erfolg­te ein wei­te­rer Auf­ruf zur Mit­ar­beit im Kir­chen­chor.

Am 21.11.1982 ehr­te Mon­si­gno­re Prof. Niklaus, Mainz, Frau Alfre­da Mey­er für 40 jäh­ri­ges, Herrn Josef Hof­mann für 30-jäh­ri­ges Sin­gen im Kir­chen­chor durch Urkun­den; Frau F. Roth­ke­gel, Frau A. Schwei­khardt und Herr W. Schön­herr erhiel­ten Dan­kes­schrei­ben für ihre lang­jäh­ri­ge Tätig­keit.

Am 25.9.1983. dem Patro­nats­fest St. Micha­el konn­te das 30-jäh­ri­ge Diri­gen­ten­ju­bi­lä­um von Herrn G. Bun­gert mit einem Fest­amt unter Mit­wir­kung des Bin­ger Basi­li­ka-Cho­res, gefei­ert wer­den. Es wur­de eine “Mis­sa bre­vis” von Mozart gesun­gen. Herr Dia­kon Bumb als Prä­ses der Kir­chen­chö­re im Deka­nat über­reich­te die Dank­me­dail­le der Diö­ze­se Mainz.

Betrüb­lich begann das Jahr 1984: am 18. Janu­ar wil­lig­te Herr Pfar­rer K. Der­stroff in die vor­über­ge­hen­de Ein­stel­lung der Chor­ar­beit wegen Mit­glie­der­man­gels ein und am 19. Janu­ar leg­te Herr G. Bun­gert das Amt des Diri­gen­ten nie­der; eine sicher­lich bit­te­re Ent­schei­dung.

Über die jüngs­te Ver­gan­gen­heit des Cho­res soll etwas aus­führ­li­cher berich­tet wer­den.

Im Früh­jahr 1984 konn­te Herr Pfar­rer Der­stroff Herrn Stu­di­en­rat Joa­chim Mül­ler, der bereits als Orga­nist bei uns tätig war, als Chor­lei­ter gewin­nen. Am 2. Mai began­nen die Chor­pro­ben, und im Juli fan­den die ers­ten Auf­trit­te in Got­tes­diens­ten statt. Zum Jah­res­wech­sel 85/86 san­gen sie­ben Damen im Sopran, vier im Alt, und jeweils vier Per­so­nen im Tenor und Baß. Her­aus­ra­gen­des Ereig­nis im Jahr 1986 war der in St. Micha­el gefei­er­te Fest­got­tes­dienst zur drei­ßig-jäh­ri­gen Part­ner­schaft “Bur­gund – Rhein­land-Pfalz” als Pon­ti­fi­kal­amt mit Bischof Dr. Karl Leh­mann und dem Gene­ral­vi­kar aus Dijon. Ein Instru­men­tal­kreis spiel­te zum Ein­zug die Sin­fo­nia G-dur für Strei­cher und Bas­so con­ti­nuo von T. Albi­no­ni, der Chor sang das “Kyrie, Gott Vater in Ewig­keit” von H. Schütz und zur Kom­mu­ni­on den 2. Teil aus der Kan­ta­te “Alles was Ihr tut” von D. Bux­te­hu­de. Unter den Mit­fei­ern­den war auch der Minis­ter­prä­si­dent Bern­hard Vogel.

Erst­mals an die Öffentlichkeit wand­te sich der Chor am 7.12.1986 mit einem Advents­kon­zert unter Mit­wir­kung von Rena­te Mül­ler (Sopran) und Ange­li­ka Morsch­heu­ser (Alt) und beglei­tet durch ein Kam­mer­or­ches­ter. Es wur­den Wer­ke von J.S. Bach, G.Ph. Tele­mann, D. Bux­te­hu­de, R. Deering, G.F. Hän­del zu Gehör gebracht und vom Publi­kum mit Applaus auf­ge­nom­men. Wei­te­re Advent­kon­zer­te folg­ten 1987, 1988 und 1991, eben­falls mit baro­cken Kom­po­si­tio­nen von T. Albi­no­ni, D. Speer,
D. Bux­te­hu­de, J. Eccard, J.D. Zelen­ka, J. Titelou­ze, H. Schütz, J.S. Bach, J.H. Schein, G. Gabrie­li, C.Ph. E. Bach, A. Vival­di, und Joh.Fr. Fasch. Sie wur­den von den Zuhö­rern dank­bar auf­ge­nom­men und in der Pres­se lobend bespro­chen.

Am 13. Juni 1987 brach­te der Chor dem ehe­ma­li­gen Mit­glied, Frau Frie­da Roth­ke­gel ein Ständ­chen zum 80. Geburts­tag dar; ein letz­ter Freund­schafts­dienst, denn schon im Juli starb die Senio­rin.

Ein Fahr­rad­aus­flug führ­te den Chor im Sep­tem­ber 1987 nach Kied­rich (Cho­ral­amt) und Klos­ter Eber­bach (Orches­ter­kon­zert).

Im März 1989 besuch­te der Chor den Kir­chen­chor von Kirch­berg, betei­lig­te sich am Got­tes­dienst mit dem Kyrie aus der Mes­se in C, No.7 von Charles Goun­od, und war bis in den Nach­mit­tag gesel­lig mit den Kirch­ber­gern zusam­men. Es folg­te ein Gegen­be­such der Kirch­ber­ger in Ingel­heim. Bei all die­sen nach außen gerich­te­ten Akti­vi­tä­ten wur­de der eige­ne Got­tes­dienst nicht ver­nach­läs­sigt. Außer den Got­tes­diens­ten an hohen Fei­er­ta­gen wur­den übers Jahr hin Sonn­tags­mes­sen, ins­be­son­de­re in der Advents- und Fas­ten­zeit, gestal­tet. Erwähnt sei die Mes­se in C, “Aux Cha­pel­les” von Charles Goun­od, die mehr­fach ganz oder in Tei­len gesun­gen wur­de.

Am 27. Janu­ar 1990 mel­de­te sich der Chor wie­der­um mit einem Kon­zert mit Wer­ken von G.F. Hän­del und J.S. Bach und am 16. Sep­tem­ber mit einer kon­zer­tan­ten Ves­per, mit Psal­men und Magni­fi­cat (Albi­no­ni, Tele­mann, Zelen­ka, Vival­di und Duran­te).

Im Juni 1992 war der Chor wie­der­um nach Kirch­berg ein­ge­la­den, dies­mal zur Fei­er des 300-jäh­ri­gen Bestehens des dor­ti­gen Cho­res.

Am 23.12.92 wur­de Anna Schwei­khardt, Chor­mit­glied seit 1933, zu ihrem 80. Geburts­tag mit einem Ständ­chen geehrt.

1992 wur­de die St. Micha­els­kir­che innen reno­viert, sodaß Kir­chen­mu­sik meh­re­re Mona­te nicht mög­lich war. Der Fest­got­tes­dienst zur Wie­der­eröff­nung der Kir­che am 20.12.92 wur­de vom Chor mit der bereits erwähn­ten Mes­se von Ch. Goun­od gestal­tet und der Freu­de über die gelun­ge­ne Restau­ra­ti­on in einem Fest­kon­zert am 9.Mai 1993 vor über­füll­tem Got­tes­haus Aus­druck gege­ben mit fol­gen­dem Pro­gramm: Kan­ta­te Nr. 100 von J.S. Bach “Was Gott tut, das ist wohl­ge­tan”, dem Con­cer­to a-moll F VIII Nr. 2 von A. Vival­di und der Gro­ßen Cre­do­mes­se, KV 257 für Soli, Chor und Orches­ter von W.A. Mozart. Es war eine groß­ar­ti­ge Auf­füh­rung.

Im Lau­fe der letz­ten zehn Jah­re konn­te der Chor, nicht zuletzt durch den Ein­druck der öffent­li­chen Kon­zer­te, der gesun­ge­nen Wer­ke und des musik­päd­ago­gi­schen Talen­tes von Joa­chim Mül­ler sei­nen Mit­glie­der­stand erhö­hen. Z.Zt sin­gen: Sopran: 13 Damen, Alt: 9 Damen, Tenor: 7 Per­so­nen, Bass: 4 Her­ren.

Herr Pfar­rer Klaus Der­stroff hat die Tätig­keit des Cho­res wohl­wol­lend beob­ach­tet, ermun­ternd unter­stützt und dem Diri­gen­ten freie Hand gelas­sen bei der Gestal­tung der Pro­gram­me. Hier­für dank­te ihm der Chor durch einen Bei­trag zum Abschieds­got­tes­dienst am 17. Juli 1993 und ein vier­stim­mi­ges Abschieds­ständ­chen bei der anschlie­ßen­den Fei­er, Herr Pfar­rer Der­stroff über­nahm zum 1. August eine neue Auf­ga­be in Michel­stadt, Oden­wald.

 

Anhang:

Katholische Geistliche in Ober-Ingelheim seit dem Religionspatent Kurfürst Philipp-Wilhelms von 1685

1. Wäh­rend der Zeit des Simul­ta­ne­ums in der Refor­mier­ten Kir­che

1690–1694 Dop­pes (oder Dep­pus)
1693–1707 Döp­pel (oder Dip­pel), Hein­rich; auch f. Ingelh. Grund
1702–1707 Fischer, Cas­par Wil­helm; Dekan
-1703 Wolff, Johann Georg, Sacel­lan

2. Wäh­rend der Zeit als Filia­le von Sankt Remi­gius, Nie­der-Ingel­heim

1707–1719 Kroll, Kas­par; Land­de­chant
ab 1717 Spring, Anto­ni­us, Kaplan
1717–1737 Fabri­ci­us, Erwin Johann
1737–1740 Ham­mer, Andre­as; bau­te die Remi­gius­kir­che
1740–1765 Förs­ch­ter, Johann Fried­rich
1758–1760 Bay­er, Kaplan
1761–1763 Roh­de, Kaplan
1764–1765 Mihm, Johan­nes, Kaplan

3. Seit Erhe­bung von St. Micha­el zur selb­stän­di­gen Pfar­rei

 

1765–1798 Mihm, Johan­nes; bau­te die St. Micha­els­kir­che
1798–1805 Kein Pfar­rer; Ver­wal­tung von St. Remi­gius
1805–1808 Moli­na­ri, Joseph
1808–1817 Diehl, Wil­helm
1817–1824 Kein Pfar­rer; Ver­wal­tung von St. Remi­gius
1824–1826 Bau­mann, Peter Joseph
1829–1839 Wie­gant, Dr. Franz
1839–1841 Kein Pfar­rer, Kärcher als Pfarr­ver­we­ser
1841–1847 Kräck­ler, Hein­rich
1847–1859 Weiss, Fried­rich
1859–1862 Bock, Joseph; erst Pfarr­ver­wal­ter dann Pfar­rer
1862–1863 Kein Pfar­rer, Mol­than Pfarr­ver­wal­ter
1863–1867 Kin­kel, Johann Joseph; schrieb Orts­chro­nik
1867–1869 Koser, Peter
1869–1887 Kuhn, Anton
1887–1897 Schä­fer, Kas­par
1897 Daus, Mathaeus, Pfarr­ver­wal­ter 15.9.–20.10.97
1897–1908 Koch, Phil­ip Mathi­as
1908 Lakom­sky, Pfarr­ver­wal­ter Juli-Dezem­ber 1908
1908–1936 Schä­fer, Johann Bap­tist
1928–1933 Franz, Karl, Kaplan
1933–1936 Berg­mann, Dr. Jakob, Kaplan
1936–1969 Klep­per, Bern­hard; erwei­ter­te die St. Micha­els­kir­che 1964
1969–1972 Berg, Hans-Joa­chim
1972–1977 Geis­se, Rein­hard
1975–2005 Lehr, Lud­wig, Dia­kon
1977–1993 Der­stroff, Niko­laus, Geist­li­cher Rat anschl. nach Michel­stadt und Viel­brunn Oden­wald)
1979–1983 Obie­lu, Cle­ment Ngi­rik­an­wa, Kaplan Pries­ter in der Diö­ze­se Orlu, Nige­ria
1983–1985 Diep­gen, Mar­tin, Kaplan
1985–1987 Rohr­schür­mann, Mar­tin, Kaplan
1987–1988 Rühl, Ger­hard Rufus, Kaplan
1988–1989 Wor­lit­schek, Josef, Kaplan
1993–1994 Kein Pfar­rer; Sohns, Hel­mut, Pfarr­ver­wal­ter,
1993–07/2008 Weck­werth, Bernd, Kaplan, ab 1994 Pfar­rer anschl. nach Ock­stadt und Ros­bach
05/2006–06/2007 Fuchs, Her­mann anschl. als Pfar­rer nach Bin­gen-Kemp­ten und Bin­gen-Gauls­heim
08/2007–08/2014 Schä­fer, Tobi­as anschl als Propst nach Dom St. Peter, Worms
05/2009–06/2012  Pater Johan­nes Klee­ne (OP) (Domi­ni­ka­ner­klos­ter Mainz), Kaplan anschl. als Pfar­rer nach Darm­stadt, Lieb­frau­en
 08/2012- Feu­er­stein, Chris­ti­an, Kaplan, ab 09/2014 Pfar­rer
05/2015- Dann­häu­ser, Mar­kus. Dia­kon im Zivil­be­ruf
06/2015–05/2016 Busch, Johan­nes
Dia­kon im Prak­ti­kum
Pries­ter­wei­he 02. 07. 2016.
anschl. als Kaplan in den Pfar­rei­en­ver­bund Gie­ßen

4. Bil­dung eines Pfar­rei­en­ver­bun­des Katho­li­sche Kir­che Ingel­heim (KKI)

08/2012- Feu­er­stein, Chris­ti­an, lei­ten­der Pfar­rer
05/2015- Dann­häu­ser, Mar­kus. Dia­kon im Zivil­be­ruf
06/2015–05/2016 Busch, Johan­nes
Dia­kon im Prak­ti­kum
Pries­ter­wei­he 02. 07. 2016.
anschl. als Kaplan in den Pfar­rei­en­ver­bund Gie­ßen
01/2016-
12/2016
Pater Geor­ge Arul Jeg­a­nathan
Pfar­rer
ab 01.01.2017 als Pfarr­vi­kar in die PG Lindenfels/Fürth im Oden­wald
09/2016–07/2018 Lang, Sebas­ti­an
Kaplan
ab 01.08.2018 Sub­re­gens des Pries­ter­se­mi­na­res Mainz
09/2018 Rott­mann, Björn
Kaplan

 

Dirigenten

1919 – 1921 Leh­rer Hein­rich Nahm
1921 – 1923 Leh­rer Fried­rich Jos. Gro­be
1933 – 1934 Musik­leh­rer Max Rei­mann
1934 – 1936 Kaufm. Ange­stell­ter Wil­helm Mül­ler
1936 – 1940 Leh­rer Wil­helm Phil­ipp Schwarz
1940 – 1947 Musik­di­rek­tor Johann Dei­chel­mann
1947 – 1949 Musik- und Gesangs­leh­rer Karl Jakob Sie­ben
1949 – 1953 Musik­stu­dent Hans Gap­pe­n­ach, jetzt Ober­stu­di­en­rat
1953 – 1984 Haupt­leh­rer Gün­ter Bun­gert
1984 – 31.03.1999 Ober­stu­di­en­rat Joa­chim Mül­ler
01.04.1999 – 03.2006 Jörg Erd­mann
03.2006 – 12.2006 Johan­nes Püschel
07.02.2007 – 24.12.2008 Geor­giy Stri­letz­kiy
25.12.2008 – heu­te Ober­stu­di­en­rat Joa­chim Mül­ler

 

Organisten

-1932 Leh­rer Hein­rich Nahm
1932 – 1934 Musik­leh­rer Max Rei­mann
1934 – 1974 Fräu­lein Anna Maria Dix
1974 – 30.06.1999 Ober­stu­di­en­rat Joa­chim Mül­ler
01.07.1999 -

 

Vorsitzende und Sprecher des Kirchenchores

16. XI. – 19. XI. 1919 Wein­händ­ler Fried­rich Mül­ler
14. XII. 1919 – 16. 1. 1920 Wein­händ­ler Job. Bap­tist Gey­er
18. I. 1920 – 1923 Buch­bin­der Joh. Mül­ler
1934 – 1968  Nota­ri­ats­bü­ro­vor­ste­her August Becker
1968 – 1978 Kon­rek­tor Fried­rich Eckes
 1978 – 1984 Wil­helm A. Schön­herr
 1984 – heu­te Mar­git Schlot­ter­beck und Peter Bar­ber

 

 

Verwendete Quellen

Archiv der Pfar­rei St. Micha­el zu Ober-Ingel­heim; aus­ge­wer­tet von W.A.Schönherr

Döry, Lud­wig, Drei Main­zer Barock­al­tä­re, Main­zer Zeit­schrift (Mit­tel­rh. Jahrb. Archäol. Kunst u. Gesch.) 73/74, 61–85, 1979

Hell­rie­gel, Lud­wig, Rund um den Groß­win­tern­hei­mer Kirch­turm. in: Beitr. Gesch. Ingel­heim, 28, 1978

Hell­rie­gel, Lud­wig, Doku­men­ta­ti­on “Wider­ste­hen und Ver­fol­gung” 1933 -1945

Jür­gens­mei­er, Fried­helm, Das Bis­tum Mainz, 2. Band der Bei­trä­ge zur Main­zer Kir­chen­ge­schich­te, Josef Knecht, FFM, 1988

Krä­mer, Phil­ipp, Die Burg­kir­che zu Ober-Ingel­heim, Her­aus­ge­ge­ben von Pfar­rer Sey­er­le im Auf­trag des Vor­stan­des der Burg­kir­che, 1960

Krä­mer, Phil­ipp, Ober-Ingel­heim; in: Beitr. Gesch. Ingel­heim, 5, 1954

Petry, Lud­wig, Der Ingel­hei­mer Grund vom Aus­gang des 14. bis zur Mit­te des 19. Jahr­hun­derts, in: Ingel­heim am Rhein, C. H. Boehrin­ger Sohn, Ingel­heim am Rhein 1964

Schön­herr, Wil­helm A., Füh­rer durch die Pfar­rei St. Micha­el. Her­aus­ge­ge­ben von dem katho­li­schen Pfarr­ge­mein­de­rat der Pfar­rei St. Micha­el Ober-Ingel­heim, 1969

Saal­wäch­ter, Andre­as, Alt Ingel­heim. in: Beitr. Gesch. Ingel­heim, 9, 1958

Steitz, Hein­rich, Die Refor­ma­ti­on in Ingel­heim. in: Beitr. Gesch. Ingel­heim, 36, 1987

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